Berliner Tageszeitung - Trotz steigender Arztzahlen beklagt Bundesärztekammer Medizinermangel

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Trotz steigender Arztzahlen beklagt Bundesärztekammer Medizinermangel




Trotz steigender Arztzahlen beklagt Bundesärztekammer Medizinermangel

Mehr Ärzte, aber auch mehr Behandlungsfälle: Trotz steigender Arztzahlen besteht aus Sicht der Bundesärztekammer (BÄK) ein Medizinermangel in Deutschland. Nach einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Statistik der Berufsvertretung waren im vergangenen Jahr bundesweit 385.149 Ärzte tätig und damit 6542 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig steigt der Ärztekammer zufolge aber wegen der älter werdenden Bevölkerung der Behandlungsbedarf. Auch die Ärzteschaft sei von Überalterung betroffen.

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"Die Zahl der Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach", erklärte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Wenn nicht endlich mehr Ärzte ausgebildet würden, "dann wird sich dieser Mangel verschärfen". Ärzteorganisationen fordern seit langem, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen. Die Zahl der Krankenhausärzte stieg der BÄK-Statistik zufolge leicht um 2,1 Prozent auf 198.500. Bei der Zahl der niedergelassenen Ärzte gab es 2017 einen Rückgang um 1285 auf 118.356, dies entspricht einem Minus von 1,1 Prozent.

Zugleich arbeiten niedergelassene Vertragsärzte durchschnittlich mehr als 50 Stunden. Auch in den Krankenhäusern sind nach Erhebungen des Marburger Bundes viele Ärzte (40 Prozent) 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder fünfte hat sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden.

"Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit", kritisierte Montgomery. Zugleich entschieden sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich. Gerade in der jungen Generation seien viele "nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben", erklärte der Ärztepräsident. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) stieg die Zahl der angestellten Vertragsärzte im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um knapp zehn Prozent auf 31.477. Das seien fast sechsmal so viele wie noch vor zehn Jahren. Auch für junge Ärzte spiele die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine große Rolle, erklärte KBV-Chef Andreas Gassen.

Insgesamt wird auch die Ärzteschaft immer älter: Zwar stieg der Anteil der unter 35-jährigen Mediziner im vergangenen Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der über 59-jährigen Ärzte auf 18,4 Prozent. Bei den niedergelassenen Ärzte mit eigener Praxis ist sogar jeder dritte mindestens 60 Jahre alt (33,9 Prozent).

Montgomery begrüßte die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels. "Dirigistische Eingriffe" wie die geplanten Mindestsprechstundenzeiten trügen allerdings nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Mindestzahl an wöchentlichen Sprechstunden von 20 auf 25 erhöht werden. Ärzte, die in wirtschaftlich schwachen und unterversorgten ländlichen Räumen praktizieren, sollen zudem über regionale Zuschläge besonders unterstützt werden.

 

(K. Petersen--BTZ)