Russland schreibt Telegram-Chef Durow international zur Fahndung aus
Russland hat den Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, international zur Fahndung ausgeschrieben. Dem Gründer des Messengerdienstes werde "Beihilfe zum Terrorismus" vorgeworfen, meldeten russische Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf den russischen Geheimdienst FSB. Hintergrund seien Ermittlungen zur Rekrutierung junger Russen über Telegram für Sabotageaktivitäten durch den ukrainischen Geheimdienst. Es war zunächst unklar, ob andere Länder die Fahndung unterstützen würden.
Der FSB wirft Telegram vor, einen beliebten Dating-Bot nicht gelöscht zu haben, der nach Darstellung Moskaus vom ukrainischen Geheimdienst genutzt wird, um junge Russen "in terroristische und Sabotageaktivitäten hineinzuziehen". Demnach wurden seit Juli 2025 in verschiedenen russischen Regionen 46 russische Staatsbürger zwischen zwölf und 22 Jahren festgenommen, die den in Russland verbotenen Leo Match Bot genutzt haben sollen.
Den Festgenommenen werden dem FSB zufolge Angriffe auf Sicherheitskräfte sowie Sabotageakte gegen Energie- und Verkehrsinfrastruktur zur Last gelegt. Demnach wurden sie alle über Telegrams Dating-Bot von Agenten des ukrainischen Geheimdienstes kontaktiert, die sich als junge Frauen ausgaben. Anschließend seien sie unter Druck gesetzt worden und dazu gebracht worden, Polizisten anzugreifen und Infrastrukturanlagen in Brand zu setzen.
Telegram gehört zu den wichtigsten Onlinediensten in Russland. Die russischen Behörden haben wiederholt versucht, den Zugang zu der Plattform zu blockieren oder Durows Erfolg zu untergraben, um ihn dazu zu drängen, Nutzerdaten herauszugeben. Außerdem versucht Moskau, seine Bürger auf eine unverschlüsselte, staatlich unterstützte Alternative zu lenken.
Der Telegram-Gründer wurde in der russischen Großstadt Sankt Petersburg geboren. Er ist Staatsbürger Frankreichs und der Vereinigten Arabischen Emirate. Der 41-Jährige ist der Gründer von VKontakte, einem Onlinedienst, der weithin als "Russlands Facebook" bekannt ist. Nachdem er Mitte der 2010er-Jahre unter Druck der russischen Behörden aus dem Unternehmen gedrängt worden war, gründete er Telegram.
Gegen Durow wurde zudem vor zwei Jahren in Frankreich wegen einer Reihe von Delikten im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität ermittelt. Ihm wurde vorgeworfen, nichts gegen die Verbreitung krimineller Inhalte über seinen Onlinedienst zu unternehmen. Gegen den Telegram-Gründer bestand zeitweise eine strenge Aufsicht der Justiz, die es ihm verbot, Frankreich ohne Genehmigung der Behörden zu verlassen, was jedoch 2025 gelockert wurde. Nach der Lockerung der Auflagen ließ Durow sich in Dubai nieder. Ende Juli gab er auf Telegram bekannt, in die ehemalige Sowjetrepublik Georgien gereist zu sein.
H. Müller--BTZ