Pistorius bekräftigt Pläne zu Einstieg des Bundes bei Rüstungskonzern KNDS
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat bekräftigt, dass die Bundesregierung trotz des verschobenen Börsengangs am Einstieg beim Rüstungskonzern KNDS festhält. "Unser Interesse ist klar: Wir wollen diese Schlüsseltechnologie in deutschem Zugriff behalten, in Augenhöhe mit den Partnern aus Frankreich", sagte Pistorius am Dienstag bei einem Besuch des KNDS-Werks in Kassel. "In welcher Form das geschieht, das werden die Gespräche und Entscheidungen der nächsten Wochen zeigen."
Ende Juni hatten Deutschland und Frankreich die Einigung auf eine Beteiligung der Bundesregierung an dem Rüstungskonzern verkündet. Wegen der unsicheren Marktlage verschob das deutsch-französische Unternehmen dann kurz darauf seinen Börsengang, der den Einstieg des Bundes ermöglichen sollte.
KNDS stellt neben dem Kampfpanzer Leopard 2 auch den Schützenpanzer Puma, gepanzerte Boxer-Fahrzeuge und Artilleriesysteme wie die Panzerhaubitze 2000 her. Aktuell halten der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen.
Der französische Anteil sollte laut der von Paris und Berlin verkündeten Einigung im Zuge eines Börsengangs auf 40 Prozent sinken, der Bund sollte einen Anteil in derselben Höhe von der Wegmann-Familie übernehmen. Die restlichen 20 Prozent sollten an die Börse gebracht werden - dies wurde aber Anfang Juli verschoben.
KNDS stehe als einer der größten Auftragnehmer der Bundeswehr "für deutschen Maschinenbau, für Automatisierung und Vernetzung", sagte Pistorius. Das sei "nicht nur für die deutsche Rüstungsindustrie und damit für die deutsche Verteidigungsfähigkeit" relevant, sondern auch "als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor". "Und damit das so bleibt, hat sich die Bundesregierung entschieden, Anteile von KNDS zu erwerben, um sicherzustellen, dass das Know-how gesichert wird und dass wir auf Augenhöhe mit unseren französischen Partnern in Zukunft weiterarbeiten."
KNDS ist aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter hervorgegangen. Der Konzern hat insgesamt rund 11.000 Mitarbeitende. In Deutschland unterhält er elf seiner weltweit 34 Standorte.
Pistorius äußerte zudem seine Unterstützung für Pläne der Automobilindustrie, in die Rüstungsproduktion einzusteigen. Die Autoindustrie habe in den letzten 120 Jahren gezeigt, "wie man Produktion skaliert, wie man flexibler wird, wie man schneller wird", sagte der Minister. Um Standorte und Fachkräfte zu halten, sollte die Produktion umgestellt werden - "von A auf B, um das zu gewährleisten". Das finde seine "volle Unterstützung".
S. Sokolow--BTZ