Türkei steht mit Erdogan wirtschaftlich vor dem Kollaps
Ungeachtet der hohen Inflation in der Türkei und des Wertverfalls der Landeswährung Lira hat die türkische Zentralbank den Leitzins erneut gesenkt. Wie die Zentralbank am Donnerstag nach ihrer regulären Sitzung in Ankara mitteilte, beträgt der Leitzins nach zuvor 15 künftig 14 Prozent. Damit senkten die Notenbanker den bereits vierten Monat in Folge den zentralen Zinssatz ab.
Der Kurs der Lira gab nach der Ankündigung der Zentralbank weiter nach: Für einen Dollar waren kurz nach dem Leitzinsentscheid 15,5 Lira nötig. Am 1. Januar lag der Kurs noch bei nur 7,4 Lira für einen Dollar. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Währung damit mehr als 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt, allein im November waren es 30 Prozent.
Hintergrund ist, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan ein entschiedener Gegner hoher Zinsen ist; die Zentralbank folgt diesem Kurs. Der türkische Staatschef möchte über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln und vor dem Hintergrund eines möglichst starken Wirtschaftswachstums 2023 als Präsident womöglich wiedergewählt werden.
Nach herrschender Ökonomenlehre dagegen sind die Leitzinsen ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation: Zentralbanken erhöhen in diesem Fall in der Regel den Leitzins, um die Geldmenge im Umlauf zu senken. Die Türkei ächzt derzeit unter einem hohen Preisanstieg - zuletzt erreichte die Inflationsrate offiziell 21 Prozent. Die Opposition geht davon aus, dass die reale Teuerungsrate noch deutlich höher ist. (K. Berger--BTZ)