Kein Schlaf, aber starke Nerven: Gelungene WM-Premiere von Netz
Nach seinem erfolgreichen Debüt auf der ganz großen Bühne strahlte WM-Debütant Raphael Netz über das ganze Gesicht, der fehlende Schlaf war ihm nicht anzumerken. "Was ungewohnt war", sagte der bestens gelaunte Dressurreiter nach seinem gelungenen Auftritt mit Partner Camelot beim Auftakt der Heim-WM, "normalerweise mache ich immer ein Powernap vor meiner Prüfung."
Zwar habe er das auch vor der Prüfung im Grand Prix in der Soers wie gewohnt versucht - "nur, dass ich kein Auge zugedrückt habe", erklärte Netz. Ein bisschen hatte die große Kulisse den erst 27 Jahre alten Neuling dann wohl doch aus dem Konzept gebracht, auch wenn er bei seiner starken Leistung als Startreiter für die deutsche Equipe kaum Nerven gezeigt hatte.
Die großen Emotionen brachen so erst nach Prüfungsende aus dem Wiesbadener heraus, euphorisch riss er seinen Arm in Richtung Aachener Himmel und fiel anschließend Partner Camelot um den Hals. Das war "Erleichterung, Freude und dann auch Euphorie, als die Punkte kamen", fasste er seine Gefühlswelt zusammen, mit seinem losgelösten Jubel sorgte er auch beim Aachener Publikum für die ersten großen Gänsehautmomente.
Für Netz ist es der erste Auftritt im Team der Senioren, und seine Reise wird wohl weitergehen. An Tag zwei der Weltmeisterschaft ist er beim finalen Showdown um das Teamgold bei den Auftritten seiner Mannschaftskolleginnen Isabell Werth, Deutschlands Rekord-Olympiasiegerin, und Katharina Hemmer zwar zum Daumendrücken verdammt, ab Freitag geht es dann aber für die besten 30 Reiter aus dem Grand Prix mit dem ersten Einzelentscheid im Special weiter. Als momentan Drittplatzierter sind Netz' Aussichten darauf hervorragend.
H. Müller--BTZ