Drohnenangriff auf zwei Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor Bulgarien
Bei einem Drohnenangriff im Schwarzen Meer sind zwei Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste getroffen worden. Eines der Schiffe sei gesunken, die Besatzung gelte als vermisst, sagte Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew am Dienstag vor einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts. Auf dem zweiten Schiff brach demnach ein Feuer aus, die Crew konnte jedoch in Sicherheit gebracht werden. Radew sprach von einem "absolut inakzeptablen" Angriff.
Radew zufolge ereignete sich der Vorfall gegen 3.00 Uhr in der Nacht zum Dienstag rund 112 Kilometer östlich der bulgarischen Küstenstadt Byala. Die bulgarische Fähre "Dioskuria", die sich in der Nähe befand, habe eine Explosion gesehen und sei begleitet von einem Schnellboot der Marine zur Unglücksstelle gefahren, sagte er vor Journalisten. Von dem einen Schiff seien lediglich leere Rettungsinseln und Rettungswesten entdeckt worden. Über die Anzahl der Vermissten machte der Ministerpräsident zunächst keine Angaben.
Laut den bulgarischen Behörden wurde eine großangelegte Suche eingeleitet. Das gesunkene Schiff "Alfa Watan" fuhr dem bulgarischen Fachportal Maritime.bg zufolge unter togolesischer Flagge, das zweite Schiff "Able" unter der Flagge Palaus. Dessen 18 Besatzungsmitglieder, darunter elf Türken und sieben Inder, wurden in Sicherheit gebracht. Zwei von ihnen wurden laut Radew verletzt. Das Schiff hatte demnach Weizen geladen und fuhr Richtung Süden.
Radew sprach von einem "eklatanten Verstoß gegen das Seerecht und allgemein gegen die Regeln der Schifffahrt". Der Vorfall ereignete sich einen Tag nach einem Drohnenangriff auf ein mit Getreide beladenes türkisches Frachtschiff vor der Küste Rumäniens, bei dem ein Besatzungsmitglied getötet wurde und ein weiteres als vermisst gilt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte russische Drohnen für den Angriff verantwortlich gemacht.
Laut dem Pressedienst des aserbaidschanischen Außenministeriums waren sowohl der getötete Kapitän als auch das vermisste Besatzungsmitglied der "Royad Mammadow" aserbaidschanische Staatsangehörige.
Infolge des Ukraine-Krieges ist das Schwarze Meer immer wieder Schauplatz von Drohnenvorfällen. Laut der türkischen Handelskammer für Seefahrt (IMEAK) wurden seit Beginn des Krieges 226 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, der Großteil davon in diesem Jahr.
"Wir sehen, dass der Krieg sich verschärft", betonte der bulgarische Regierungschef. "Alle Regeln des Völkerrechts werden inzwischen missachtet und zivile Schiffe angegriffen." Vorfälle wie diese erschwerten zudem den Seehandel über das Schwarze Meer erheblich.
A. Walsh--BTZ