Minister bei Mladic-Beerdigung: Bosnien weist zwei serbische Diplomaten aus
Aus Protest gegen die Teilnahme serbischer Regierungsvertreter an der Beisetzung des Kriegsverbrechers Ratko Mladic hat Bosnien zwei Diplomaten aus dem Nachbarland ausgewiesen. Serbien habe "alle roten Linien überschritten, mit dem was sie gestern und in den Tagen zuvor getan haben", sagte Bosniens Außenminister Elmedin Konakovic am Dienstag. Auch aus Brüssel kam scharfe Kritik an dem EU-Beitrittskandidaten Serbien. An Mladics Beerdigung in Belgrad hatten am Montag mindestens sechs serbische Minister teilgenommen.
Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 verbüßte. Von nationalistischen Serben wird er indes weiter als "Held" verehrt.
An den Trauerfeierlichkeiten in Belgrad nahmen am Montag tausende Menschen teil. Viele Trauergäste waren aus der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska angereist, darunter die gesamte Regierungsspitze mit Präsident Sinisa Karan sowie dessen Vorgänger Milorad Dodik. Entgegen vorherigen Ankündigungen wurde Mladic aber nicht mit staatlichen Ehren beigesetzt.
Die Spitzen der Europäischen Union kritisierten die Feierlichkeiten dennoch scharf. Die Bilder der Beerdigung in Belgrad seien "schockierend" gewesen, erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa am Dienstag. Serbien ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb im Onlinedienst X, Serbiens Weg in die Europäische Union verlange "ein eindeutiges Bekenntnis zu grundlegenden europäischen Werten und zur historischen Wahrheit."
Bosniens Außenminister Konakovic sagte auf einer Pressekonferenz in Sarajevo, dass der serbische Militärattaché und der Vertreter des serbischen Geheimdienstes zu unerwünschten Personen erklärt worden seien. Sie müssten Bosnien innerhalb von 48 Stunden verlassen. Zuvor hatte er gesagt, er wolle das Personal der bosnischen Botschaft in Serbien zurückrufen, um die diplomatischen Beziehungen "auf das niedrigstmögliche Niveau" zu verringern.
Bosnien-Herzegowina ist seit dem Dayton-Abkommen von 1995 geteilt in die überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden halbautonomen Landesteile sind durch eine schwache Zentralregierung miteinander verbunden.
F. Schulze--BTZ