USA und Iran greifen sich erstmals seit einem Monat wieder gegenseitig an
Erstmals seit einem Monat haben die USA wieder Ziele im Iran angegriffen. Die US-Armee attackierte am Sonntag Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak in der Straße von Hormus, wie das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom mitteilte. Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, bei den US-Angriffen habe es "Tote und Verletzte" gegeben. Die iranischen Streitkräfte reagierten nach eigenen Angaben mit Angriffen auf US-Ziele in der Region.
Nach Angaben des US-Militärs sollten die Angriffe verhindern, dass der Iran weitere Seeminen in der Straße von Hormus deponiert. "US-Streitkräfte haben heute zwei iranische Abschussvorrichtungen auf der Insel Larak angegriffen", sagte ein Centcom-Sprecher. Die Revolutionsgarden seien dabei beobachtet worden, "wie sie sich darauf vorbereiteten, Raketen mit Seeminen in die Straße von Hormus abzufeuern". Der bis dato letzte US-Angriff auf Ziele im Iran war am 29. Juli erfolgt.
Die Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten als Antwort auf die US-Angriffe die vom US-Militär in Jordanien genutzten Luftwaffenstützpunkte al-Asrak und King Hussein attackiert. Dabei seien technische Infrastruktur, Wartungseinrichtungen sowie feindliche Kampfjet-Stellungen ins Visier genommen und "schwere Schäden" verursacht worden. Die jordanische Armee fing nach eigenen Angaben acht Raketen ab, die in den jordanischen Luftraum eingedrungen waren.
Das Außenministerium in Teheran erklärte, die iranischen Streitkräfte hätten im Einklang mit dem "Recht auf legitime Verteidigung" gehandelt. Nach Angaben iranischer Staatsmedien griffen die Streitkräfte des Landes auch US-Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Dutzende Drohnen hätten "US-Hubschrauber und -Personal auf dem Stützpunkt Al Minhad" in den Emiraten anvisiert, zitierte das Staatsfernsehen die iranische Armee.
Die Emirate wiesen die Angaben aus Teheran jedoch zurück. Berichte über einen Angriff auf die Basis Al Minhad "entbehren jeder Grundlage", erklärte das Verteidigungsministerium in Abu Dhabi im Onlinedienst X. Die Armee der Emirate habe auf eine iranische Drohne "reagiert". Die Drohne habe sich "vom Iran genähert" und sei über den Hoheitsgewässern der Emirate entdeckt worden.
Das emiratische Außenministerium bezeichnete den iranischen Drohnenangriff als "gefährliche Eskalation". Die Emirate behielten sich das "volle und legitime Recht auf eine Reaktion" vor.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi warf unterdessen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, Washington in den Krieg mit dem Iran getrieben zu haben. "Auf Hebräisch prahlt Netanjahu offen damit, dass er die US-Regierung ausgetrickst hat, in einen Krieg gegen den Iran zugunsten Israels einzutreten", erklärte Araghtschi im Onlinedienst X. "Auf Englisch lobt er die Führung des US-Präsidenten", fügte der iranische Chefdiplomat hinzu und bezeichnete Netanjahu als "Schlange".
Seit dem Beginn des Iran-Krieges vor sechs Monaten hat Teheran die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus weitgehend blockiert. In der Folge schnellten weltweit die Ölpreise in die Höhe. Die neuen Angriffe sorgten nun zu Wochenbeginn an den Ölmärkten für einen erneuten Preisanstieg. Sowohl die Nordsee-Referenzsorte Brent als auch das US-Pendant West Texas Intermediate verzeichneten einen Preisanstieg von mindestens zwei Prozent.
Die USA und Israel hatten ihre Angriffe auf den Iran am 28. Februar begonnen. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Einrichtungen und US-Verbündete in der Golfregion.
Im April wurde dann eine Waffenruhe vereinbart, im Juni ein Rahmenabkommen mit dem Ziel einer noch auszuhandelnden Friedensregelung geschlossen. Dennoch treten die von Pakistan und Katar vermittelten diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Konfliktes und zur Regelung der Situation in der Straße von Hormus auf der Stelle.
Vor kurzem hatte US-Präsident Donald Trump daher angekündigt, einen beispiellosen "Wirtschaftskrieg" zu führen, um den Iran in die Knie zu zwingen. USA-Finanzminister Scott Bessent drohte mit einer "wirtschaftlichen Erstickung" des Landes. Verschärfte Sekundärsanktionen sollen auch ausländische Geschäftspartner Teherans treffen.
Der Iran-Krieg ist in den USA äußerst unpopulär und könnte die Republikanische Partei bei der Kongresswahl im November viele Stimmen kosten. Der Senator der oppositionellen Demokratischen Partei, Jack Reed, warf Trump am Freitag vor, die USA hätten unter seiner Führung kein einziges Kriegsziel erreicht. Stattdessen habe der Präsident "unsere Position im Nahen Osten und in der Welt erheblich geschwächt".
D. O'Sullivan--BTZ