Trump: Die USA könnten Venezuela noch jahrelang kontrollieren
Die USA könnten nach Angaben von Präsident Donald Trump noch jahrelang die Kontrolle über Venezuela ausüben. "Nur die Zukunft" werde zeigen, wie lange Washington über das südamerikanische Land bestimme, sagte Trump in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der "New York Times". Vertreter seiner Regierung hatten zuvor verkündet, die Entscheidungen der Übergangsregierung in Caracas würden von den USA "diktiert". Auch der Verkauf des venezolanischen Öls werde "auf unbestimmte Zeit" von Washington kontrolliert.
US-Streitkräfte hatten in der Nacht zum Samstag bei einem Militäreinsatz Ziele in Venezuela angegriffen und den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro sowie dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen und in die USA gebracht. Bei dem US-Angriff wurden nach venezolanischen Angaben mindestens 100 Menschen getötet. Der venezolanische Innenminister Diosdado Cabello sagte am Mittwoch in Caracas, ähnlich viele Menschen seien verletzt worden, darunter auch Maduro und seine Frau.
Trump hatte nach der Gefangennahme Maduros gesagt, Venezuela stehe nun unter der Kontrolle der USA. Seine Sprecherin Karoline Leavitt sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, die "enge Abstimmung mit den Übergangsbehörden" in Venezuela gehe weiter. Deren Entscheidungen würden weiterhin von den USA "diktiert". US-Energieminister Chris Wright sagte, der Verkauf des venezolanischen Öls werde "auf unbestimmte Zeit" von Washington kontrolliert.
Die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hatte eine ausländische Kontrolle über ihr Land zuvor bestritten: "Die Regierung Venezuelas regiert unser Land, niemand sonst", sagte die langjährige Maduro-Vertraute am Dienstag. Trump sagte dagegen in dem "New York Times"-Interview, die venezolanische Übergangsregierung kooperiere mit den USA : "Sie geben uns alles, was wir für erforderlich halten."
Am Dienstag hatte der US-Präsident verkündet, dass Venezuela den USA 30 bis 50 Millionen Barrel Öl liefern werde. Mit den Einnahmen werde Venezuela ausschließlich in den USA hergestellte Produkte kaufen, erklärte Trump am Mittwoch. Dazu gehörten landwirtschaftliche Produkte, Maschinen, medizinische Geräte und Energieausrüstung.
Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt, bis 2005 war das Land einer der wichtigsten Öllieferanten der USA. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem Maduros Vorgänger Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlicht und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmt hatte. Trump sagte dazu in dem Interview, Venezuela habe den USA "das Öl vor Jahren weggenommen".
Leavitt kündigte für Freitag Gespräche zwischen Trump und den Chefs von US-Ölfirmen an. Bei dem Treffen gehe es darum, die "gewaltigen Möglichkeiten" zu diskutieren, die sich nun für diese Unternehmen in Venezuela böten, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses.
Auch den linksgerichteten kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro will Trump "in naher Zukunft" im Weißen Haus empfangen, wie der US-Präsident nach einem Telefonat mit Petro verkündete. Petro habe angerufen, um über die "Drogensituation und andere Meinungsverschiedenheiten" zu sprechen, erklärte Trump.
Petro kritisiert das militärische Vorgehen der USA in der Region scharf und wirft Washington vor, den venezolanischen Staatschef Maduro ohne rechtliche Grundlage entführt zu haben. Trump wiederum behauptet, Petro sei ähnlich wie Maduro in den Drogenhandel verwickelt. Nach der Gefangennahme Maduros sagte Trump, eine militärische Intervention in Kolumbien sei eine "gute Idee". Petro solle sich in Acht nehmen.
U. Schmidt--BTZ