Rassistischer Angriff in Pariser Vorstadt: Psychisch kranker Täter stand unter Drogen
Der Angreifer, der in zwei Pariser Vorstädten aus mutmaßlich rassistischen Motiven einen Menschen getötet und fünf weitere verletzt hat, leidet offenbar an Schizophrenie und stand während der Tat unter Drogeneinfluss. Nachdem der Polizeigewahrsam des 39-jährigen Kevin T. am Samstag aufgehoben worden war, wurde er am Sonntag in die Psychiatrie eingewiesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. In einem Trauermarsch gedachten hunderte Angehörige und Unterstützer des 26-jährigen afrikanischstämmigen Todesopfers.
Der Tatverdächtige sei in eine psychiatrische Station verlegt worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte die Familie des Todesopfers kritisiert, dass der Polizeigewahrsam des mutmaßlichen Schützen nach einer psychiatrischen Untersuchung aufgehoben worden war.
Nach der Tat am Freitag waren laut Staatsanwaltschaft Spuren von Cannabis und Kokain im Blut von Kevin T. nachgewiesen worden. Aus Ermittlungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass der 39-jährige Tatverdächtige unter Schizophrenie, einer schweren psychischen Erkrankung, leide.
Der Angreifer hatte am Freitag in den Pariser Vorstädten Trappes und La Verrière aus seinem Auto heraus mit einer Maschinenpistole auf Menschen geschossen. Dabei tötete er einen 26 Jahre alten Franzosen afrikanischer Herkunft und verletzte mehrere Menschen mit maghrebinischen oder afrikanischen Wurzeln. Ein zwölf Jahre altes Mädchen wurde von acht Kugeln getroffen und schwebt weiter in Lebensgefahr. Der vorbestrafte 39-Jährige wurde schließlich im nahegelegenen Coignières festgenommen.
In der Wohnung des Angreifers im Ort Plaisir fanden die Ermittler Gasflaschen, Zünder und einen Zeitschaltmechanismus. Zudem stießen sie auf eine Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" sowie eine Bibel und einen Koran.
Seine Eltern und zwei weitere Menschen aus seinem Umfeld kamen ebenfalls in Polizeigewahrsam.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach von einem "rassistischen Terroranschlag". Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen "Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung" ein.
Der Anwalt der Familie des Getöteten erklärte, es müsse geprüft werden, ob Behördenversagen vorliege. Schließlich sei der Täter der Polizei und der Justiz bekannt gewesen und habe offenbar "Kriegswaffen" besessen.
Der Fall hatte eine Schockwelle in Frankreich ausgelöst. Macron hatte zunächst erklärt, es sei das erste Mal, dass in Frankreich ein Terroranschlag auf Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Religion verübt worden sei. Damit löste er heftige Kritik aus, denn es hatte bereits mehrere Anschläge unter anderem auf jüdische Kinder und katholische Priester gegeben.
Am Samstag kamen mehrere hundert Menschen zu einer Solidaritätskundgebung in Trappes zusammen, wo das Todesopfer des Anschlags, der 26 Jahre alte Pengo Bossio Wangi, gewohnt hatte. "Pengo ist tot, weil er schwarz war", sagte die Anti-Rassismus-Aktivistin Assa Traoré.
"Die Menschen wissen nicht, was sich in den sozial benachteiligten Vierteln abspielt, und das ist dramatisch", fügte Traoré hinzu. Am Sonntag organisierte der Gründer des Kampfsportvereins, bei dem Wangi trainiert hatte, einen weiteren Trauermarsch im nahegelegenen Aubervilliers.
Der linksgerichtete Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, kritisierte all diejenigen, die Rassismus beförderten. "Sie tragen eine Mitschuld, weil sie diesen Terroristen ideologisch bewaffnet haben", sagte er bei einer Kundgebung in Orléans gegen den Parteitag der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN).
M. Tschebyachkinchoy--BTZ