Schweres Erdbeben in Panama: Staatschef spricht von "großer Katastrophe"
Ein Erdbeben der Stärke 7,7 hat in Panama schwere Schäden verursacht. Staatschef José Raúl Mulino sprach am Freitag (Ortszeit) von einer "großen Katastrophe", durch die ganze Straßenzüge eingestürzt seien. Opfer wurden zunächst nicht gemeldet. Das Beben hatte sich in geringer Tiefe in der zentralen Provinz Herrera ereignet und auch die Menschen in der rund 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Panama-Stadt in Panik versetzt.
"Die Katastrophe, mit der wir uns konfrontiert sehen, ist groß", sagte Präsident Mulino vor Journalisten. Nach dem Beben der Stärke 7,7 gebe es Straßen, die "komplett eingestürzt" seien. Der Staatschef reiste nach Penonomé in der zentralen Provinz Coclé, um den Katastropheneinsatz zu koordinieren. Im Onlinedienst X rief Mulino die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. "Was passiert ist, sollte nicht genutzt werden, um Alarm und Chaos auszulösen", schrieb er.
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) hatte sich das Beben der Stärke 7,7 um 12.56 Uhr Ortszeit (19.56 Uhr MESZ) zehn Kilometer von der der Kleinstadt Pitaloza Arriba entfernt ereignet. Diese liegt in der Provinz Herrera im südlichen Zentrum des Landes.
Laut Panamas geologischem Institut folgten mehr als ein Dutzend Nachbeben, davon eines mit einer Stärke über 6,0. Für den östlichen Pazifik wurde zunächst eine Tsunami-Warnung ausgegeben, sie wurde später aber wieder aufgehoben.
Auch in Panama-Stadt waren die Erschütterungen deutlich zu spüren. In Online-Netzwerken zirkulierte ein Video, das zeigt, wie von einem Pool auf dem Dach eines mehr als 20 Stockwerke hohen Hochhauses Wasser schwappte. In einem anderen Video war zu sehen, wie eine Brücke über dem Panama-Kanal heftig wackelte, während Fahrzeuge darüber fuhren.
Das Beben versetzte viele Einwohner der Hauptstadt mit ihren Wolkenkratzern in Panik. Besonders stark betroffen waren laut Gesundheitsminister Fernando Boyd aber die zentralen Provinzen Herrera und Coclé sowie Santos im Südosten des Landes. Die Stadt Tonosí in Los Santos sei von der Außenwelt abgeschnitten. "Wir versuchen zu klären, wie wir auf dem Luftweg dorthin kommen, denn auf dem Landweg ist es unmöglich", sagte der Minister.
"Es war schrecklich, so was haben wir noch nie erlebt", sagte die 38-jährige Kassiererin Juana Alveo in Penonomé der Nachrichtenagentur AFP. Der 46-jährige Salomón Andión aus Panama-Stadt schilderte, die Erschütterungen seien "sehr stark" gewesen und hätten schwere Gegenständen wie Kommoden und ein Bett in Bewegung gebracht.
Die Behörde des international bedeutenden Panama-Kanals erklärte, der Schiffsverkehr durch die Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik sei von dem Erdbeben nicht betroffen und verlaufe weiter "normal". Der internationale Flughafen von Panama-Stadt wurde vorübergehend geschlossen, einige Flüge wurden laut der zivilen Luftfahrtbehörde vorsichtshalber umgeleitet. Das Bildungsministerium setzte den Unterricht landesweit vorerst aus.
Die Regierungen von Kolumbien, Ecuador und Guatemala bekundeten ihre Solidarität mit Panama und boten Hilfslieferungen an. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte am Freitagabend vor Nachbeben. Es rief Deutsche in dem mittelamerikanischen Land auf, eine Tasche mit dem Notwendigsten zu packen, den Anweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten und keine Gebäude zu betreten, deren statischer Zustand unsicher erscheine.
In Panama sind Erdbeben selten und wenn sie sich ereignen, dann meist in der westlichen Provinz Chiriquí, die an Costa Rica grenzt. In Lateinamerika gab es dieses Jahr bereits mindestens vier Erdbeben mit einer Stärke von über 7,0. Im Juni gab es ein verheerendes Beben in Venezuela, im August folgte ein schweres Erdbeben im Westen Kolumbiens.
D. O'Sullivan--BTZ