Erntebilanz: Agrarminister Rainer bescheinigt "massive Krise von nationaler Tragweite"
Angesichts der Folgen von Dürre und Hitze auf die Produktion vieler landwirtschaftlicher Betriebe sieht Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) eine "massive Krise von nationaler Tragweite". Die diesjährige Ernte sei für viele Landwirtschaftsfamilien eine "herbe Enttäuschung", sagte Rainer am Mittwoch bei der Vorstellung des Ernteberichts seines Ministeriums. Den Bauern stellte er finanzielle Hilfen in Aussicht.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet für die Getreideernte in diesem Jahr einen Ertrag von 37,4 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 ist das ein Rückgang um 2,1 Prozent. Der Ertrag pro Hektar steigt jedoch leicht um 0,4 Prozent auf 69,1 Dezitonnen.
Die massive Trockenheit wirkte sich den Angaben nach besonders negativ auf die Maisernte aus. Die erwartete Erntemenge liegt hier 16 Prozent unter dem Schnitt, der Ertrag pro Hektar sackt sogar um 24,2 Prozent ab.
Die Zuckerrübenernte fällt deutlich unterdurchschnittlich aus, wie das Ministerium weiter mitteilte. Die Anbaufläche verkleinerte sich dem Erntebericht zufolge um 16 Prozent, der Ertrag pro Hektar sinkt in diesem Jahr um rund sieben Prozent im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt.
Beim Obst ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Ernte von Äpfeln, dem bei weitem am meisten angebauten Baumobst, sinkt voraussichtlich um fünf Prozent im Vergleich zum zehnjährigen Durchschnitt. Bei Kirschen und Pflaumen steigen die Erträge hingegen deutlich. Bei Spargel und Hopfen ergeben sich ebenfalls deutliche Rückgänge.
Es gehe nicht nur um "Tonnen oder Hektar", sagte Rainer dazu. "Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel wurde geerntet? Die entscheidende Frage lautet: In welchem Zustand sind unsere Betriebe heute?" Neben Dürre und Trockenheit verwies er etwa auf hohe Betriebsmittelkosten vor allem wegen der Dieselpreise. Es gelte nun, einen "Strukturbruch" zu vermeiden, damit auch die Ernten der kommenden Jahre gesichert würden.
"Extrem angespannt ist die Lage auch beim Futter", sagte der Minister. Im Süden und Südwesten sei auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum Gras nachgewachsen, so dass viele Betriebe schon im Sommer an ihre Futterreserven gehen mussten.
Zur Unterstützung der Landwirtschaft kündigte der CSU-Politiker eine Aufstockung des Liquiditätshilfeprogramms der Landwirtschaftlichen Rentenbank um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von 500 Millionen Euro an. Zudem verhandle er mit dem Bundesfinanzministerium über ein weiteres Hilfsprogramm, sagte Rainer. "Es geht um nichts weniger als die Ernährungssicherung in Deutschland."
Zudem sprach Rainer sich dafür aus, die aktuell laufende Gewinnglättung "auch über 2028 hinaus verstetigen". Einkünfte können damit über drei Jahre hinweg im Durchschnitt besteuert werden, statt die Gewinne eines jeden einzelnen Jahres steuerlich anzusetzen. "Das hilft den Betrieben bei stark schwankenden landwirtschaftlichen Einkommen", sagte Rainer. "Auch zu diesen Punkten stehen wir im Austausch mit dem Bundesfinanzministerium."
Hilfe versprach das Landwirtschaftsministerium auch der Fischerei, die wegen der stark gestiegenen Energiekosten besonders betroffen sei. Deshalb stelle das Ministerium "für Fischereibetriebe bis zu 4,5 Millionen Euro bereit – sie konnten vom Tankrabatt nicht profitieren". Von März bis Juli 2026 würden 21 Cent pro Liter Diesel erstattet. Auch ist den Angaben nach eine sogenannte Referenzflotte geplant, in der Fischer im Auftrag des Ministeriums Daten erheben und dafür vergütet werden. Zu diesem Zweck stünden "in den kommenden drei Jahren bis zu drei Millionen Euro bereit", erklärte das Ministerium weiter.
Der Bauernverband hatte seine vorläufige Erntebilanz schon vor zwei Wochen vorgestellt. Auch er erwartet eine unterdurchschnittliche Ernte, vor allem im Süden und Westen des Landes sorgten Hitze und Trockenheit demnach für "enttäuschende Ernten". Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte deshalb auch wegen niedriger Preise und gestiegener Kosten ein Sofortprogramm der Regierung zur Unterstützung der Landwirte gefordert. Rainer sagte damals, er wolle "belastbare Daten" abwarten.
Die Linken-Fraktion im Bundestag forderte unterdessen einen "Krisenfonds, der betroffene Landwirt:innen gezielt und unbürokratisch unterstützt". Die Unterstützung der Bundesregierung hingegen sei "kein wirksames Krisenprogramm, sondern bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein", erklärte die agrarpolitische Sprecherin Ina Latendorf.
P.Grazvydas--BTZ