Berliner Tageszeitung - Verbraucherschützer beklagen verwirrende Fleischkennzeichnung

Börse
TecDAX -0.91% 3308.46
Goldpreis 1.05% 1882.7 $
SDAX -0.77% 13392.05
Euro STOXX 50 -1.25% 4205.45
DAX -0.85% 15345.91
MDAX -1.56% 29321.71
EUR/USD -0.61% 1.0732 $

Verbraucherschützer beklagen verwirrende Fleischkennzeichnung




Verbraucherschützer beklagen verwirrende Fleischkennzeichnung

Die bisherige Kennzeichnung von Fleisch im Einzelhandel informiert Kunden nach Auffassung von Verbraucherschützern nur unzureichend über die Haltungsbedingungen. "Werbung mit verlässlichen Informationen zu Fleisch aus tiergerechter Haltung ist rar", kritisierte Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern am Donnerstag. Verbraucher könnten nicht überprüfen, was hinter den Werbeaussagen steckt.

Textgröße:

Laut einer Umfrage vertrauen demnach viele Verbraucher darauf, dass als "artgerecht" oder mit "Tierwohl" beworbenes Fleisch auch aus artgerechter Tierhaltung stammt, selbst wenn dafür keine klaren Kriterien genannt werden. Tatsächlich vermittele die Werbung aber oft ein falsches Bild, kritisierten die Verbraucherschützer. Für mehr Transparenz und Verlässlichkeit seien "wahre und für Verbraucher nachvollziehbare Informationen" nötig.

Begriffe wie "artgerecht" oder "Tierwohl" hätten "keine verbindliche Bedeutung", erklärte Luise Hoffmann von der Verbraucherzentrale Thüringen. "Klare gesetzliche Vorgaben gibt es für solche Begriffe nicht - und auch Hersteller und Händler bleiben Details oft schuldig."

2018 hatten mehrere Handelsketten vierstufige Haltungskennzeichnungen für das Frischfleisch ihrer Eigenmarken von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten in der Selbstbedientheke eingeführt: von Stufe eins für "Stallhaltung nach gesetzlichem Standard" bis Stufe vier für "Bio"- oder "Premium"-Standard.

Laut einer Umfrage für die Verbraucherzentralen, für die im November 1005 Menschen online befragt wurden, hält mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten eine Haltungskennzeichnung für eher hilfreich beziehungsweise sehr hilfreich für den Kauf von Fleisch aus tiergerechter Haltung. Bei den unter 45-Jährigen sagten dies sogar fast drei Viertel.

Nach Auffassung der Verbraucherschützer spiegelt das die Suche der Kunden nach Orientierung beim Fleischkauf wider. Die vom Handel in diesem Jahr angekündigte Vereinheitlichung der Haltungskennzeichnung sei daher grundsätzlich zu begrüßen. Sie ersetze aber nicht "ein glaubwürdiges und verlässliches staatliches Tierwohlkennzeichen".

Landwirtschaftsministern Julia Klöckner (CDU) hatte am Mittwoch die Kritierien für ein staatliches Label - zunächst für Schweinefleisch - vorgestellt, das ab 2020 auf Produkten im Handel zu finden sein soll. Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen gehen die zweite und dritte Stufe des dreistufigen Labels in die richtige Richtung. Die Einstiegsstufe sei allerdings "deutlich zu niedrig, um von mehr Tierwohl zu sprechen", erklärte Saumweber. Kritik gibt es zudem daran, dass die staatliche Kennzeichnung auf eine freiwillige Teilnahme der Hersteller setzt.

(Y. Rousseau--BTZ)