Berliner Tageszeitung - Bafin verbietet ab sofort jede Spekulation auf fallende Wirecard-Kurse

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Bafin verbietet ab sofort jede Spekulation auf fallende Wirecard-Kurse




Bafin verbietet ab sofort jede Spekulation auf fallende Wirecard-Kurse
Bafin verbietet ab sofort jede Spekulation auf fallende Wirecard-Kurse / Foto: © AFP

Nach den heftigen Kursschwankungen bei Wirecard in den vergangenen Wochen hat die Finanzaufsicht Bafin am Montag Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien des Zahlungsdienstleisters verboten. Wer auf fallende Kurse der Wirecard-Aktie gesetzt hat, darf seine bestehenden Positionen gemäß der Bonner Behörde zudem für zwei Monate nicht mehr vergrößern.

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Das Papier des Dienstleisters für elektronische Zahlungen befindet sich seit drei Wochen auf einer Achterbahnfahrt. Zuvor hatte die "Financial Times" am 30. Januar über Betrugsvorwürfe und mögliche Zahlungsunregelmäßigkeiten bei Wirecard in Singapur berichtet.

Wirecard weist die Anschuldigungen als Diffamierung zurück. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Marktmanipulation durch die Zeitungsberichte. "Uns liegt eine konkrete Anzeige eines Anlegers vor", erfuhren Medienkreise von einer Sprecherin der Behörde. Der Staatsanwaltschaft liegt demnach die Aussage eines Leerverkäufers vor, der vorab über die mediale Berichterstattung zu Wirecard informiert worden sein soll.

Sogenannte Short-Seller nutzten die Unsicherheit um das Unternehmen in den vergangenen Wochen für Netto-Leerverkäufe. Dabei liehen sie sich Anteilsscheine, stießen sie auf dem Markt ab und kauften sie später zurück. Damit wetten die Spekulanten auf fallende Kurs, die für sie einen Gewinn bedeuten würden.

"Das sind Entwicklungen, die das Marktvertrauen in Deutschland ernsthaft bedrohen", ließ die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma) am Montag verlauten. Die in Paris ansässige Behörde segnete die Maßnahmen der Bafin damit ab.

Wirecard geriet nicht zum ersten Mal ins Visier von Short-Sellern. Bereits in den Jahren 2008 und 2014 hatten Spekulanten versucht, Betrugsvorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister auszunutzen. Durch den Anstieg des Online-Handels wurden die Wirecard-Aktien aber trotzdem immer wertvoller. Ende des vergangenen Jahres verdrängte der Dienstleister schließlich die Commerzbank aus dem Dax.

Nach dem Leerverkaufs-Verbot der Bafin lagen die Wirecard-Aktien am Montag mit fast 13 Prozent deutlich im Plus.