Berliner Tageszeitung - Grünen-Expertin Mihalic fordert Aufklärung über die Tathelfer von Amri

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Grünen-Expertin Mihalic fordert Aufklärung über die Tathelfer von Amri




Grünen-Expertin Mihalic fordert Aufklärung über die Tathelfer von Amri

Nach einem "Focus"-Bericht über einen nach Tunesien abgeschobenen mutmaßlichen Tathelfer des Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri hat die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic von der Bundesregierung vollständige Aufklärung gefordert. Der genannte Vorgang sei "in höchstem Maße irritierend", sagte die Obfrau ihrer Partei im Untersuchungsausschuss des Bundestag zu dem Anschlag am Freitag nach Information von BERLINER TAGESZEITUNG (BTZ), in einem aktuellen Interview".

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Mihalic bestätigte, dass die Regierung einen "engen Vertrauten" Amris abgeschoben habe. Es sei "gesichert", dass dieser bis kurz vor dem Anschlag mit diesem in einer "engen Verbindung" gestanden habe. Der Mann sei abgeschoben worden, "bevor er richtig zu dem Fall befragt werden konnte". Der Untersuchungsausschuss wolle nun den wichtigen Zeugen befragen. Es handle sich um eine "Schlüsselfigur".

BTZ erfuhr aktuell, dass es sich bei dem wenige Wochen nach dem Anschlag mit zwölf Toten Ende 2016 abgeschobenen Mann eventuell um den Amri-Vertrauten Bilel Ben Ammar handelt. Wie die Zeitschrift unter Berufung auf Sicherheitskreise schreibt, erfolgte die Abschiebung, um den Mann vor Strafverfolgung zu schützen. Er sei ein Informant des marokkanischen Geheimdiensts.

Auf Videoaufnahmen des Anschlagsgeschehens vom Breitscheidplatz ist laut "Focus" demnach dokumentiert, dass ein Unbekannter, bei dem es sich ebenfalls um Ben Ammar handeln könnte, an der Tatausführung beteiligt gewesen sei könnte. Dieser schlug demnach einem Besucher mit einem Gegenstand, womöglich um Amri die Flucht zu ermöglichen. Der Unbekannte habe dabei auffällige blaue Gummihandschuhe getragen.

Milahic verlangte von der Bundesregierung die Herausgabe sämtlicher existierender Aufnahmen. Der Untersuchungsausschuss wolle diese "selbstverständlich" vollständig einsehen, betonte sie. Ob es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen Informanten des marokkanischen Geheimdiensts handle, könne sie nicht sagen. Es sei aber jedenfalls "merkwürdig", dass dieser Dienst genau über Amri informiert gewesen sei. So habe es unter anderem eine Warnung an Deutschland gegeben.

Der aus Tunesien stammende Attentäter Anis Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gefahren. Dabei starben zwölf Menschen. Amri wurde auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. Die Tat war der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland.

Zweifel an einer Alleintäterschaft Amris gibt es bereits länger. So wiesen italienische Ermittler einem Zeitungsbericht zufolge schon kurz nach dem Anschlag in einem Vermerk auf Unterstützung von Amri durch Islamisten hin. Dass Amri Kontakt zu anderen Gefährdern hielt, bestätigen auch deutsche Behörden. Sie gehen jedoch nach eigenen Angaben davon aus, dass dieser die Tat allein verübte.

Mit dem Anschlag befassen sich zwei Untersuchungsausschüsse des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses. Der Ausschuss des Bundestag tagte am Donnerstagabend. Dabei wurde nach Angaben des Parlaments ein Zeuge befragt, der 2015 zwischenzeitlich mit Amri in einer Asylbewerberheim zusammenlebte. Er schilderte demnach, dass sich Amri als Islamist zu erkennen gegeben habe. Er habe Polizei und Sozialamt informiert, weil er diesen für gefährlich gehalten habe.

 

(S. Sokolow--BTZ)