Berliner Tageszeitung - Hafturteile gut acht Jahre nach Ungarns schlimmster Umweltkatastrophe

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Hafturteile gut acht Jahre nach Ungarns schlimmster Umweltkatastrophe




Hafturteile gut acht Jahre nach Ungarns schlimmster Umweltkatastrophe

Mehr als acht Jahre nach der schlimmsten Umweltkatastrophe Ungarns sind zwei Verantwortliche des Chemieunfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Für den früheren Chef der Betreiberfirma MAL, Zoltan Bakonyi, ordnete ein Gericht in Györ am Montag zweieinhalb Jahre Gefängnis an, sein damaliger Stellvertreter soll für zwei Jahre hinter Gitter. Gegen sieben weitere Angeklagte wurden Bewährungsstrafen verhängt, ein Beschuldigter wurde offiziell von der Justiz gerügt, fünf weitere wurden freigesprochen.

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Die Verurteilungen erfolgten wegen fahrlässiger Tötung, Verletzung öffentlichen Eigentums, Verstöße gegen Abfallentsorgungsregeln und Umweltverschmutzung. Die Anklage hatte dargelegt, die Beschuldigten hätten das tödliche Unglück mit zehn Todesopfern und mehr als 200 Verletzten verhindern können.

In einem ersten Prozess waren im Januar 2016 alle Beschuldigten freigesprochen worden, die Staatsanwaltschaft legte aber Berufung ein. Ein Berufungsgericht in Györ ordnete daraufhin im Februar 2017 an, den Prozess neu aufzurollen. Da die Urteile vom Montag daher wiederum in erster Instanz gefällt wurden, können die Prozessbeteiligten erneut Berufung einlegen.

Der Chemieunfall hatte sich am 4. Oktober 2010 in der MAL-Aluminiumfabrik in Ajka ereignet, 160 Kilometer westlich von Budapest. Ein Auffangbecken der Fabrik zerbarst, und etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Giftschlamm ergossen sich über die umliegenden Dörfer. Bei dem roten Schlamm handelte es sich um ein giftiges bleihaltiges Abfallprodukt aus der Aluminiumproduktion, das zudem leicht radioaktiv ist.

Die Schlammlawine war das schwerste Industrieunglück und die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Ungarns. Zehn Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 weitere wurden verletzt, sie erlitten teils schlimmste Verätzungen.

Der Giftschlamm verschmutzte umliegende Gewässer und erreichte auch die Donau. Straßen, Plätze und Häuser der Umgebung mussten aufwändig mit Spezialgerät gereinigt werden. Das Ernten und der Verzehr von örtlichen Produkten wurde vorübergehend verboten. Bis heute darf auf Hunderten von Hektar nichts angebaut werden. Dutzende Anwohner weigerten sich, in das betroffene Gebiet zurückzukehren.

Im September 2011 wurde die Betreiberfirma MAL zu 135 Milliarden Forint (430 Millionen Euro) Strafzahlung an die örtlichen Behörden verurteilt. Seine Produktion durfte das Werk aber fortsetzen. Da das Unternehmen die Geldbuße nicht zahlte, wurde es verstaatlicht.

 

(A. Madsen--BTZ)