EXPO REAL 2026: Maximilian Seil fordert mehr Tempo – „Kapital denkt längst in Echtzeit“
Für Maximilian Seil von der Frankfurter SEIL Group liegt das Problem des Immobilienmarktes nicht allein im Preis. Im Interview mit der BERLINER TAGESZEITUNG spricht der Unternehmer über die Vermarktung großer Immobilienbestände, digitale Käuferzuordnung und den Umgang mit notleidenden Krediten. Seine Forderung: weniger Abwarten, mehr Transparenz und schnelleres Handeln.
Die EXPO REAL 2026 hat mit einem leichten Teilnehmerzuwachs geschlossen. Nach dem am 7. Oktober veröffentlichten Schlussbericht der Messe München kamen zur diesjährigen Veranstaltung vom 5. bis 7. Oktober mehr als 42.000 Teilnehmer aus 74 Ländern. Insgesamt präsentierten sich 1.777 Aussteller aus 37 Ländern.
Im Vorjahr waren es rund 42.000 Teilnehmer und 1.742 Aussteller gewesen. Die Ausstellerzahl stieg damit um rund zwei Prozent und erreichte nahezu wieder das Niveau von 2024, als 1.778 Aussteller und mehr als 40.000 Teilnehmer registriert wurden. Die Zahlen stehen für eine stabile Anziehungskraft der Messe – ein durchgreifender Aufschwung des Immobilienmarktes lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Wie verhalten die Stimmung im gesamten Immobilienmarkt bleibt, zeigt der im Vorfeld veröffentlichte EXPO-REAL-Trendindex: In der vom Marktforschungsinstitut IfaD durchgeführten Befragung von 430 Ausstellern und Besuchern bewerteten 40 Prozent die Marktlage zurückhaltend oder sehr zurückhaltend. Nur 25 Prozent zeigten sich optimistisch; 2025 waren es noch 44 Prozent gewesen. Hohe Baukosten, begrenzte Kapitalverfügbarkeit und langwierige Verfahren bleiben wesentliche Hemmnisse.
Gleichzeitig erweiterte die Messe ihre Perspektive: Mit „InfrastructureNow“ erhielt investierbare Infrastruktur erstmals einen eigenen Schwerpunkt. Im Bereich „Transform & Beyond“ standen unter anderem Digitalisierung, künstliche Intelligenz und die Dekarbonisierung von Immobilien im Mittelpunkt.
Für Maximilian Seil hingegen muss sich der technologische Wandel vor allem in der praktischen Abwicklung von Immobiliengeschäften bemerkbar machen, wobei sich die Frage stellt: „Warum werden Immobilien noch immer verkauft wie vor 20 Jahren?“
BERLINER TAGESZEITUNG: Herr Seil, welchen Eindruck nehmen Sie von der EXPO REAL 2026 mit?
Maximilian Seil: Zu viele reden noch über Preise. Die eigentliche Frage ist längst eine andere: Warum werden Immobilien noch immer verkauft wie vor 20 Jahren?
BERLINER TAGESZEITUNG: Was meinen Sie damit konkret?
Maximilian Seil: Große Portfolios werden häufig automatisch als große Pakete vermarktet. Wir glauben an das Gegenteil. Wir segmentieren Bestände und schaffen für einzelne Assets eigene Käufermärkte. Das erhöht Reichweite, Liquidität und Wettbewerb.
BERLINER TAGESZEITUNG: Welche Rolle spielt dabei die Technologie?
Maximilian Seil: Der nächste Schritt ist Live Buyer Matching. Unsere Plattform wird in Echtzeit zeigen, welcher Käufer für welches Asset tatsächlich infrage kommt – nach Region, Investitionsvolumen, Renditeprofil und Ankaufshistorie. Der Verkäufer muss nicht mehr Wochen warten, bis jemand sagt, wen er vielleicht kennt. Er wird sehen, wo das Kapital tatsächlich sitzt.
„Früher erkennen, früher strukturieren, früher Kapital an den Tisch holen“
BERLINER TAGESZEITUNG: Ein weiteres Thema sind Non-Performing Loans, kurz NPLs, also notleidende Kredite. Welche Entwicklung erwarten Sie?
Maximilian Seil: NPLs werden deutlich wichtiger. Aber wir sprechen aus meiner Sicht viel zu langsam und zu spät darüber. Banken müssten sofort reagieren, statt auf eine Verbesserung zu warten. Das Zögern mindert am Ende das Ergebnis. Banken verlieren heute zu viel Zeit zwischen dem ersten erkennbaren Problem und einer strukturierten Lösung. In dieser Zeit verschlechtert sich häufig nicht nur die Finanzierungssituation, sondern auch das Asset. Früher erkennen, früher strukturieren, früher Kapital an den Tisch holen – das wird entscheidend.
BERLINER TAGESZEITUNG: Also mehr Geschwindigkeit auf beiden Seiten – bei Verkäufen ebenso wie in Sondersituationen?
Maximilian Seil: Genau. Bei Verkäufen genauso wie bei Sondersituationen. Die Branche muss weg von der Frage: Wer könnte irgendwann kaufen? Hin zu: Wer kann heute handeln?
BERLINER TAGESZEITUNG: Was ist Ihr Fazit zur EXPO REAL 2026?
Maximilian Seil: Immobiliengespräche werden technologischer, aber die Branche verbringt zu viel Zeit in Lethargie und Katzenjammer. Das Geschäft mit finanziellen Sondersituationen wird größer, und der Druck ist enorm. Echte Liquidität und Geschwindigkeit sind Wettbewerbsvorteile. Diese können aber nur private und semiprofessionelle Investoren ausspielen. Die Branche denkt noch in alten und nicht mehr zeitgemäßen Prozessen. Kapital denkt längst in Echtzeit – darüber, wo es eingesetzt werden kann.
Hintergrund und die aktuelle Situation: Notleidende Kredite und Immobilienrisiken
Als notleidend gilt ein Kredit nach der Erläuterung der Europäischen Zentralbank, wenn seine Rückzahlung als unwahrscheinlich eingeschätzt wird oder vereinbarte Zahlungen seit mehr als 90 Tagen überfällig sind. Die Einstufung bedeutet nicht automatisch einen vollständigen Verlust. Zu den möglichen Lösungen gehören eine Anpassung der Kreditbedingungen oder der Verkauf der Forderung an Investoren.
Die Bundesbank zeichnete am 24. September 2026 ein differenziertes Bild: Der Anteil notleidender Kredite bei deutschen Kreditinstituten sei seit 2023 massiv gestiegen, habe sich aber dennoch zuletzt bei ungefähr zwei Prozent stabilisiert. Belastungen zeigten sich insbesondere bei Unternehmenskrediten und im durch Gewerbeimmobilien besicherten Geschäft. Die Entwicklung bei privaten Wohnimmobilienkrediten verlief demgegenüber bislang moderater. Hintergrund für den Katzenjammer der gesamten Immobilienbranche sind allerdings eine vollkommen überbordende Bürokratie und eine Bundesrepublik Deutschland, welche von den politischen Akteuren und ihren willfährigen Satrapen auf katastrophale Art und Weise geführt wird, was in jedem seriösen Unternehmen sofort eine fristlose Kündigung zur Folge hätte.
Zur Person:
Maximilian Seil ist Gründer der SEIL Group. Die inhabergeführte Unternehmensgruppe arbeitet von Frankfurt am Main und London aus und konzentriert sich auf Immobilien, Technologie und unternehmerische Sondersituationen. Zu ihren Schwerpunkten gehören die Segmentierung großer Wohnimmobilienportfolios und die strukturierte Vermarktung einzelner Immobilien aus umfangreichen Beständen.
T.Matic