Last-Minute-Treffer: Ghana ringt Panama nieder
Ghanas Fußballer sind trotz der Posse um Mittelfeld-Star Thomas Partey dank Caleb Yirenkyi erfolgreich in die Weltmeisterschaft gestartet. Nach einem lange mauen Spiel im Regen von Toronto, das erst in der zweiten Hälfte Fahrt aufnahm, bezwang das Team von Trainer Carlos Queiroz in der Nacht zum Donnerstag Panama mit 1:0 (0:0). Zumindest für den Moment dürfen die Westafrikaner weiter auf eine Erfolgsstory wie beim Viertelfinal-Einzug 2010 in Südafrika hoffen. Yirenkyi erzielte den umjubelten Siegtreffer in der kanadischen Millionenmetropole für Ghana erst kurz vor Schluss (90.+5) - und sorgte so für Ekstase auf der Tribüne.
Die positiven sportlichen Schlagzeilen kommen für die "Black Stars" zum richtigen Zeitpunkt, nachdem die vergangenen Tage vom Rechtsstreit um Partey bestimmt worden waren, der wegen der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn nicht nach Kanada einreisen durfte.
Beim zweiten Vorrundenspiel am kommenden Dienstag in Boston gegen England und vier Tage später in Philadelphia gegen Kroatien wird Partey wieder mit von der Partie sein.
Panama, das vom früheren Bundesliga-Torschützenkönig Thomas Christiansen trainiert wird, muss bei seiner zweiten WM-Teilnahme nach 2018 hingegen weiter auf seinen ersten Punkt warten. Zudem wird es in der Gruppe L mit den Engländern und Kroaten nun ganz schwer mit dem Weiterkommen.
Vor dem Spiel hatte John Mahama, Ghanas Präsident, die Mannschaft angerufen und sie auf ihre Mission in Übersee eingestimmt. "Ich wollte euch vor diesem Spiel selbst anrufen und euch sagen, dass wir alle für euch beten und daran glauben, dass ihr es schaffen könnt." Ganz Afrika, so Mahama, blicke zu den "Black Stars" auf. Und weiter: "Wir erwarten von euch, dass ihr dieser Rolle gerecht werdet."
Zu Beginn drückte jedoch vor allem Panama. Früh brach Außenverteidiger Amir Murillo auf der rechten Seite durch, nach präziser Flanke zwang Mittelstürmer Cecilio Waterman (2.) Ghanas Torwart Lawrence Ati Zigi per Volley zu einer Parade. Nach dem anfänglichen Sturmlauf flachte das Niveau schnell ab. Panama versuchte, die oft aufgerückte Abwehr Ghanas mit langen Bällen zu knacken, agierte aber zu ungenau. Und selbst die Trinkpause bei 19 Grad und Dauerregen brachte wenig. Großchancen sahen die 42.942 Zuschauer bis zur Pause keine mehr.
Nach der Pause kam etwas mehr Schwung ins Spiel, die Ghanaer wurden mutiger, mussten aber Ersatzkeeper Benjamin Asare für den verletzten Ati Zigi bringen. Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg prüfte Panamas Schlussmann Orlando Mosquera (48.) mit einem Kopfball. Während Christiansens Team weiter seine Chancen hatte – Cristian Martinez (60.) traf das Außennetz –, wurde im Gegensatz zum ersten Durchgang aber auch Ghana richtig gefährlich. Panamas Jiovany Ramos rettete im letzten Moment vor dem einschussbereiten Jordan Ayew (65.). Nach Freistoß-Flanke von Ayew scheiterte Adjetey (73.) erneut per Kopf, diesmal ging der Ball knapp daneben. Yirenkyi drückte dann mit Ghanas allerletzten Chance den Ball doch noch über die Linie.
H. Müller--BTZ