Erneute Kämpfe um Grenzübergang Spin Boldak in Afghanistan
In Afghanistan sind erneute Kämpfe zwischen afghanischen Streitkräften und den radikalislamischen Taliban um den strategisch wichtigen Grenzübergang Spin Boldak ausgebrochen. Das Militär habe eine Offensive zur Rückeroberung gestartet, sagte Dschamal Nasir Baraksai, Polizeisprecher der südlichen Provinz Kandahar, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Die Taliban hätten sich in Häusern von Zivilisten in der Grenzstadt verschanzt.
Einwohner von Spin Boldak berichteten von heftigen Gefechten auf dem Hauptbasar der Stadt. Laut AFP-Reportern vor Ort wurden dutzende verletzte Taliban-Kämpfer nach nächtlichen Gefechten in einem pakistanischen Krankenhaus nahe der Grenze behandelt. Mullah Mohammed Hassan, der nach eigenen Angaben den Aufständischen angehört, berichtete von einem getöteten und dutzenden verletzten Taliban.
Derweil kam es auch zu Spannungen zwischen der afghanischen und der pakistanischen Regierung. Der afghanische Vizepräsident beschuldigte das pakistanische Militär, den Taliban "in bestimmten Gebieten enge Luftunterstützung" zu leisten. Pakistan wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Die Regierung habe lediglich "auf seinem Territorium die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um unsere eigenen Truppen und die Bevölkerung zu schützen", erklärte das Außenministerium.
Am Mittwoch hatten die Taliban die Einnahme von Spin Boldak verkündet. Daraufhin schloss die pakistanische Regierung den Übergang. Für die Taliban ist der Grenzübergang wichtig, weil er eine Verbindung zur pakistanischen Provinz Baluchistan ist, die den Aufständischen seit Jahrzehnten als Rückzugsgebiet dient. Eine Straße führt direkt nach Karachi und seinem Hafen. Er gilt als Drehscheibe für den milliardenschweren Heroinhandel in Afghanistan - einer wichtigen Einnahmequelle der Taliban.
Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer Nato-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen konzentriert sich die Armee des Landes mittlerweile darauf, die größeren Städte, wichtige Straßen sowie Grenzposten gegen den Vormarsch der Islamisten abzusichern. Die Sorge wächst, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der Nato-Streitkräfte aus Afghanistan wieder die Macht am Hindukusch übernehmen könnten.
(A. Madsen--BTZ)