Papst trifft Angehörige israelischer Hamas-Geiseln und palästinensischer Häftlinge
Papst Franziskus hat am Mittwoch nacheinander Angehörige der israelischen Hamas-Geiseln und Angehörige palästinensischer Häftlinge in Israel getroffen und auf das Leiden auf beiden Seiten hingewiesen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche machte am Ende seiner wöchentlichen Generalaudienz öffentlich, dass er zwei Delegationen empfangen habe - "eine aus Israelis, die Angehörige haben, die als Geiseln im Gazastreifen sind, und eine andere aus Palästinensern, die Angehörige haben, die als Häftlinge in Israel festgehalten werden".
"Sie leiden sehr und ich habe erfahren, wie beide Seiten leiden", sagte das 86 Jahre alte Kirchenoberhaupt und rief die Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom auf, für Frieden zu beten. Die Taten im Nahost-Konflikt gingen über die übliche Gewalt in Kriegen hinaus. "Das ist kein Krieg, das ist Terrorismus", sagte Franziskus ohne auszuführen, von welchen Taten genau er sprach.
Am 7. Oktober waren hunderte Kämpfer der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften Palästinenserorganisation Hamas nach Israel eingedrungen und hatten dort Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt. Dabei wurden nach israelischen Angaben etwa 1200 Menschen getötet, rund 240 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion darauf begann Israel damit, Ziele im Gazastreifen aus der Luft und vom Boden aus anzugreifen. Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seitdem mehr als 14.100 Menschen im Gazastreifen getötet, darunter mehr als 5800 Kinder.
Am Mittwoch wurde eine Vereinbarung verkündet, die die Freilassung von 50 von der Hamas verschleppten Geiseln vorsieht. Im Gegenzug sollen palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigelassen und eine Waffenruhe eingehalten werden, heißt es in der offiziellen Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten übermittelt wurde. Sowohl Israel als auch die Hamas erklärten, nach der Waffenruhe die Kämpfe fortsetzen zu wollen.
Zu den Treffen des Papstes mit Israelis und Palästinensern hatte der Vatikan vergangene Woche vorab erklärt, Franziskus wolle mit den privaten Begegnungen seine "spirituelle Nähe" zu beiden Seiten ausdrücken. Der Kirchenstaat verwies auf jüngste Äußerungen des Papstes, "jedes menschliche Wesen, Christen, Juden, Muslime, jeden Volkes oder Religion" sei "heilig, wertvoll in den Augen Gottes und hat das Recht, in Frieden zu leben".
C. Fournier--BTZ