Käßmann fordert Stopp der Waffenlieferungen und Engagement für Friedensgespräche
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat sich für Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen, um ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu erreichen. Es gehe um die Frage, "wie können wir schnellstmöglich dieses Leid beenden", sagte Käßmann am Samstag im Deutschlandfunk. Das Töten in der Ukraine müsse ein Ende finden. Es müsse "alles investiert werden", um einen Waffenstillstand zu erreichen.
Käßmann gehört zu den 69 Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichnern eines "Manifests für den Frieden", das die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer am Donnerstag veröffentlicht hatten. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, sich für Friedensverhandlungen einzusetzen, statt weiter Waffen zu liefern.
Käßmann sagte, dass eine solche Initiative "natürlich diffamiert" werde. Sie betonte mit Blick auf die Petition, niemand stelle infrage, dass der russische Präsident Wladimir Putin "Kriegsverbrecher ist und einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt".
Da aber die "Eskalation der Waffenlieferungen so massiv ist", müsse eine Deeskalation dagegen gestellt werden, sagte die Theologin. Die Bundesregierung liefere inzwischen Angriffswaffen; viele Menschen hätten Angst, dass Deutschland "mehr und mehr Kriegspartei" werde. Es gehe darum, "ob wir uns in dieser militärischen Logik Putin anpassen müssen" oder ob es Wege gebe, "endlich einen Waffenstillstand auszuhandeln".
Um die "Spirale der Aufrüstung" aufzuhalten, müsse der Kontakt zur russischen Zivilgesellschaft aufrecht erhalten bleiben. So sollten etwa Städtepartnerschaften nicht aufgelöst werden. Auch die Kirchen müssten mehr Druck auf die russisch-orthodoxe Kirche ausüben, damit diese nicht länger Waffen segne.
Die Petition mit dem Titel "Manifest für Frieden" wurde laut der Webseite change.org bis zum Samstagnachmittag von mehr als 160.000 Menschen unterzeichnet. Die Ukraine könne gegen die größte Atommacht der Welt keinen Krieg gewinnen, heißt es darin. Verhandeln heiße, "Kompromisse machen, auf beiden Seiten".
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) solle sich auf deutscher wie europäischer Ebene "an die Spitze einer starken Allianz für einen Waffenstillstand und für Friedensverhandlungen setzen", lautet die Forderung.
T. Jones--BTZ