Khartum: Toter bei erneuten Protesten gegen Junta im Sudan
Bei Protesten gegen die Machtübernahme durch das Militär im Sudan ist erneut ein Demonstrant getötet worden. Wie ein der Opposition nahestehendes Ärzte-Komitee am Montag mitteilte, wurde der Demonstrant in der Hauptstadt Khartum "von einer scharfen Kugel in die Brust getroffen". In Khartum versammelten sich tausende Menschen und zogen durch die Straßen in Richtung des Präsidentenpalastes, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstration zu beenden.
Auch in den Städten Wad Madani, Bur Sudan und im östlichen Bundesstaat al-Kadarif kam es laut Augenzeugen zu Protesten. In Wad Madani riefen die Demonstranten laut einem Zeugen: "Nein zur Militärherrschaft" und "die Zivilregierung ist die Wahl des Volkes".
Mehrere Demonstranten in Khartum rangen aufgrund des Tränengases nach Luft, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Andere bluteten, weil sie von Tränengasgranaten getroffen wurden. Das Ärzte-Komitee sprach von einer "exzessiven Gewaltausübung" gegen die Demonstranten.
Nach Angaben von Ärzten wurden seit Beginn der Proteste insgesamt 74 Demonstranten getötet. Hunderte weitere wurden demnach verletzt. Die sudanesischen Behörden haben wiederholt bestritten, dass gegen die Protestteilnehmer scharfe Munition eingesetzt wird.
Sudans oberster General Abdel Fattah al-Burhan hatte im Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Seitdem kommt es regelmäßig zu Massenprotesten, gegen die das Militär oft gewaltsam vorgeht.
General al-Burhan hatte erklärt, die Machtübernahme durch das Militär sei kein "Putsch", sondern ziele darauf ab, die Ausrichtung der Übergangsherrschaft zu "korrigieren".
(Y. Rousseau--BTZ)