Aktivisten: IS-Miliz tötet sechs Flüchtlinge in Lager Al-Hol
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Aktivisten in dem Flüchtlingslager Al-Hol im Nordosten Syriens seit Anfang des Monats sechs Menschen getötet, darunter vier Frauen. Damit sei die Zahl der Getöteten in dem Lager seit Beginn des Jahres auf 86 gestiegen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. 63 der Getöteten waren demnach Flüchtlinge aus dem Irak.
In dem von Kurden verwalteten Lager Al-Hol leben rund 62.000 Menschen. Die Hälfte der Bewohner der Zeltstadt sind Flüchtlinge aus dem Irak. 93 Prozent der Insassen sind Frauen oder Kinder, darunter viele Angehörige mutmaßlicher IS-Kämpfer.
Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, das Lager sei eine "tickende Zeitbombe", in der Zeltstadt herrschten "Chaos und Unsicherheit". Im März hatten die Kurden in dem Lager 125 mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen.
Seit dem Untergang des vom IS ausgerufenen "Kalifats" im Grenzbereich zwischen Syrien und dem Irak im März 2019 hat die UNO ihre Mitgliedstaaten mehrfach dazu aufgerufen, Frauen und Kinder mutmaßlicher IS-Kämpfer aus Al-Hol herauszuholen. Die meisten westlichen Staaten weigern sich aber, ihre Staatsangehörigen wieder bei sich aufzunehmen.
(S. Sokolow--BTZ)