US-Richterin kippt Insolvenzplan für Pharmakonzern Purdue Pharma
Eine US-Bundesrichterin hat den Insolvenzplan für den wegen der Opioid-Krise in die Kritik geratenen Pharmakonzern Perdue Pharma gestoppt. Die New Yorker Richterin Colleen McMahon begründete ihre Entscheidung am Donnerstag damit, dass die Besitzerfamilie Sackler durch den Plan für eine Zerschlagung des Unternehmens vor künftigen Zivilklagen von Opfern geschützt werde. Der Insolvenzrichter, der die Vereinbarung im September genehmigt hatte, habe dazu aber keine Befugnis.
Laut dem Insolvenzplan sollte der Hersteller des opioidhaltigen Schmerzmittels Oxycontin zerschlagen werden. Die Unternehmerfamilie Sackler, die Purdue Pharma zu einem Großkonzern aufgebaut hatte, sollte 4,5 Milliarden Dollar zahlen, um die zahlreichen Klagen wegen des Verkaufs des abhängig machenden Medikaments beizulegen. Dann wären kaum mehr Zivilklagen gegen die Familie möglich gewesen.
Während 43 Bundesstaaten die Vereinbarung gebilligt hatten, legten das US-Justizministerium und einige andere Bundesstaaten wegen der Immunität für die Familie Sackler Berufung ein. Justizminister Merrick Garland begrüßte nun die Entscheidung von Bundesrichterin McMahon: "Das Insolvenzgericht hatte nicht die Befugnis, Opfer der Opioid-Krise ihres Rechts auf Klagen gegen die Familie Sackler zu berauben."
Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Connecticut, William Tong, sprach von einem "Sieg für die Gerechtigkeit". Die Familie Sackler werde sich nun "dem Schmerz und der Zerstörung" stellen müssen, die sie verursacht habe. Allerdings ist die Gerichtsentscheidung nicht das letzte Wort im Fall Purdue Pharma: Der Konzern kündigte Berufung an.
In den vergangenen 20 Jahren sind in den USA mehr als 500.000 Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Das umfasst sowohl verschriebene Schmerzmittel als auch illegale Drogen wie Heroin. Viele Experten führen die Opioid-Krise auf die übermäßige Verschreibung von Schmerzmitteln wie Oxycontin zurück, die bis Mitte der 90er Jahre noch der Behandlung von Schwerstkranken vorbehalten waren. Den Herstellern sowie Großhändlern und US-Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben.
(B. Semjonow--BTZ)