Opferanwälte sehen zehn Jahre nach Bekanntwerden des NSU noch viele Fragen offen
Zehn Jahre nach dem Auffliegen der rechtsextremen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) sehen Opferanwälte noch viele Fragen offen. "Wir haben heute mehr offene Fragen als vor zehn Jahren", sagte der aus dem NSU-Prozess als Nebenklagevertreter bekannte Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".
Es handle sich um "Augenwischerei" zu sagen, dass alle Fragen beantwortet seien. Der Staat werde "sehr schmallippig, wenn es um die Verwicklung staatlicher Organe geht". Zudem passiere unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle noch immer viel an rechtsextremer Gewalt.
Auch die Opferanwältin Seda Basay Yildiz sieht noch viele Fragen offen. Im Radiosender Bayern 2 forderte sie am Donnerstag mehr Druck auf politischer Ebene, es müssten alle vorhandenen Akten freigegeben werden. Sie sprach von einem "großen Staatsversagen, einem Versagen der Behörden und das muss aufgeklärt werden".
Sie forderte von der Politik ein konsequenteres Durchgreifen, was Extremismus in der Polizei anbelangt: "Wir müssen uns auf unsere Ermittlungsbehörden verlassen können, wir müssen uns darauf verlassen können, dass wir in diesem Land alle gleich geschützt werden von der Polizei und von den Sicherheitsbehörden."
Die rechtsextreme Zelle NSU hatte über Jahre hinweg insgesamt zehn Morde, zwei Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend Überfälle verübt. Unter den Ermordeten des NSU waren neun Menschen mit Migrationshintergrund. Der Zusammenhang zwischen den Taten wurde erst bekannt, nachdem am 4. November 2011 die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot aufgefunden wurden und Bekennervideos auftauchten.
(A. Bogdanow--BTZ)