Äthiopische Armee zieht sich aus strategisch wichtiger Stadt zurück
Im Konflikt mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hat sich die äthiopische Armee Augenzeugenberichten zufolge aus einer strategisch wichtigen Grenzstadt zu der Unruhe-Region Tigray zurückgezogen. "Gegen 2.00 Uhr morgens begannen die äthiopischen Soldaten, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen", sagte ein Einwohner der Stadt Dessie am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. TPLF-Kämpfer seien in die Stadt eingedrungen, berichtete ein anderer Einwohner.
Zuvor hatte es demnach heftige Gefechte gegeben. Vielerorts gab es Stromausfälle. Anwohner hatten in den vergangenen Tagen bereits von einem massiven Truppenaufmarsch in der Region berichtet.
Dessie liegt in der Region Amhara, rund 400 Kilometer nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Der Fall der Stadt an die TPLF wäre ein schwerer Schlag für die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed.
Äthiopische Regierungstruppen hatten im November 2020 die in Tigray regierende TPLF angegriffen, nach Regierungsangaben als Reaktion auf Attacken der Volksbefreiungsfront auf Armeestellungen. Die teils heftigen Kämpfe dauern seitdem an und haben sich mittlerweile auch auf benachbarte Regionen, unter anderem Amhara, ausgedehnt.
Die Regierung in Addis Abeba setzt mittlerweile verstärkt auf Luftangriffe und bombardierte zuletzt regelmäßig Ziele in Tigray. Nach Angaben der Regierung handelt es sich dabei um Einrichtungen militärischer Natur. Berichte über zivile Opfer brachten der Regierung jedoch scharfe internationale Kritik ein.
Durch die Kämpfe wurden bislang fast zwei Millionen Menschen vertrieben. Es gibt zahlreiche Berichte über Gräueltaten, darunter Massaker und Massenvergewaltigungen. Die Region Tigray ist weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten. Die Versorgungslage gilt als katastrophal.
(K. Petersen--BTZ)