WHO: Bislang keine Todesfälle durch Corona-Variante Omikron gemeldet
Zur neuen Coronavirus-Variante Omikron werden immer mehr Fakten zusammengetragen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Freitag mit, dass noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Omikron gemeldet worden sei. Südafrikanische Experten wiesen aber auf einen deutlichen Anstieg der Krankenhauseinweisungen kleiner Kinder wegen Corona-Infektionen sowie auf ein deutlich höheres Risiko einer Wiederansteckung hin. Die Zusammenhänge und die Gefährlichkeit von Omikron sind jedoch weiter unklar. Lokale Ansteckungen treten mittlerweile auch außerhalb des südlichen Afrikas auf.
Die WHO habe "noch keine Berichte über Todesfälle im Zusammenhang mit Omikron" erhalten, sagte ihr Sprecher Christian Lindmeier in Genf. Die WHO trage kontinuierlich alle verfügbaren Daten über Omikron zusammen, so dass es eine Ansammlung von Wissen, aber "hoffentlich nicht über Todesfälle" gebe.
Die neue Variante war vor gut einer Woche erstmals aus Südafrika gemeldet worden. Mittlerweile wurde sie in rund zwei Dutzend Ländern nachgewiesen, darunter auch Deutschland. Omikron weist im Vergleich zum bisher gängigen Coronavirus 32 Mutationen auf, so dass eine höhere Übertragbarkeit befürchtet wird.
Dafür spricht eine noch nicht unabhängig von Fachleuten überprüfte Studie aus Südafrika über erneute Corona-Ansteckungen. Laut den vom südafrikanischen Gesundheitssystem gesammelten Daten gab es bis Ende November unter 2,8 Millionen positiv Getesteten 35.670 Verdachtsfälle auf erneute Ansteckung. Die Fälle wurden als sogenannte Reinfektionen betrachtet, wenn sie 90 Tage nach der ersten Ansteckung erneut positiv auf das Coronavirus getestet wurden.
Die an der Studie beteiligte Direktorin des südafrikanischen Forschungszentrums DSI-NRF, Juliet Pulliam, wies darauf hin, dass den Autoren keine Informationen über den Impfstatus der Patienten vorlagen. Den Schutz von Corona-Impfungen vor Reinfektionen wollen sie nun als nächstes untersuchen. Michael Head von der Universität Southampton urteilte angesichts der Studie, es werde "immer unwahrscheinlicher", dass Berichte über eine höhere Übertragbarkeit von Omikron "falscher Alarm" seien.
Omikron ließ in Afrika offenbar auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen kleiner Kinder wachsen. "Wir haben einen ziemlich starken Anstieg in allen Altersgruppen festgestellt, insbesondere bei den unter Fünfjährigen", sagte Wassila Jassat vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) mit Blick auf die Hospitalisierungen. Die Inzidenz bei den unter Fünfjährigen sei nun die zweithöchste nach der Altersgruppe der über 60-Jährigen.
Seit dem Nachweis der Omikron-Variante in Südafrika ist die Zahl der Infektionen dort schneller gestiegen als dies in den vorherigen drei Corona-Wellen der Fall war. "Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass Omikron leichter übertragbar ist und das Immunsystem teilweise umgehen kann", sagte Michelle Groome vom NICD. Obwohl die Patienten generell mildere Symptome als bei anderen Varianten aufwiesen, könnten schwerere Krankheitsverläufe Groome zufolge erst in den nächsten zwei Wochen auftreten.
Auf eine leichtere Übertragbarkeit der Omikron-Variante könnte auch ein Vorfall in Oslo hindeuten. Nach einem Weihnachtsessen mit 100 bis 120 geimpften Teilnehmern, unter ihnen ein Südafrika-Rückkehrer, wurden bislang 60 von ihnen per PCR-Test positiv auf Corona getestet, wie die Stadtverwaltung mitteilte. In einem Fall sei die Omikron-Variante nachgewiesen worden, bei mindestens 17 weiteren sei dies ebenfalls wahrscheinlich.
Aus den USA sowie aus Australien wurden derweil Fälle einer Ansteckung mit der Omikron-Variante gemeldet, die offenbar nicht im Ausland, sondern lokal erfolgten. Aus den US-Bundesstaaten Hawaii und Minnesota wurde jeweils ein solcher Fall gemeldet.
Auch in Australien meldeten die Behörden eine lokale Omikron-Übertragung. Der Student war demnach weder selbst ins Ausland gereist noch hatte er Kontakt zu Menschen, die kürzlich im Ausland waren.
Darüber hinaus wurden im Bundesstaat New York die ersten fünf Omikron-Infektionen registriert. Die Gesamtzahl der bestätigten Fälle in den USA stieg damit auf zehn.
(B. Semjonow--BTZ)