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Papst Benedikt XVI – 90 Jahre, verehrt, vermisst und unvergessen!

POLITIK 15.04.2017

Sein achtjährige Pontifikat von Papst Benedikt XVI. könnte eines der nachhaltigsten der Kirchengeschichte gewesen sein, zumindest ist festzustellen, es war eines der Bedeutendsten! Mit Papst Benedikt XVI. wurde nach 482 Jahren erstmals wieder ein Deutscher zum katholischen Oberhaupt, gewählt wurde ein Weiser welchen man schon als Priester "RatzeBuch" genannt hat!
Deutsche Tageszeitung kann viel schreiben über einen Mann, welcher am heutigen Ostersonntag  den 16. April 2017 – 90 Jahre wird, aber mit dem Wort "Benedetto" war Papst Benedikt XVI von Anfang an von den Gläubigen gut beschrieben und daher sagen wir heute vor allem ein Wort – DANKE!

Einer der größten Theologen auf dem Stuhle Petri und ein deutscher Pontifex wird 90, mit seiner Wahl in einem der kürzesten Konklave der Kirchengeschichte und seinem Auftritt auf der Loggia der Peterskirche wurde augenscheinlich, dass eine deutsche Herkunft kein Anlass zum Vertrauensentzug war.
Ein deutscher Name konnte also wieder zum Integritätssymbol höchsten Niveaus werden, ein Mann welcher mit seinem genilaen Verstand bereits bei der Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil (Vaticanum II) vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965, wahrhaft Geschichte schrieb und stets das Gespräch mit der sekularen Vernunft suchte - denn ein Dialog ist nach Ansicht von Joseph Aloisius Ratzinger stest nie eine ziellose Unterhaltung, sondern zielt stets auf Überzeugung - auf Wahrheitsfindung ab, sonst wäre ein Dialog nämlich wertlos.

Mit Benedikts spektakulären Amtsverzicht im Februar 2013 mutet jede Rückschau zu seinem 90. Geburtstag am kommenden Ostersonntag wie ein Nachruf an. Der deutsche Papst aber lebt, sehr abseits der Öffentlichkeit, im früheren Kloster "Mater Ecclesiae" in den vatikanischen Gärten. Der Rücktritt markiert sein Amtsverständnis: Johannes Paul II. sah sich in der Stellvertretung Jesu, Benedikt hingegen im Petrusdienst. Und während darum der eine das ihm aufgegebene Kreuz bis zuletzt und jenseits alles Zumutbaren zu tragen gewillt war, hat der andere diesen "unmöglichen Job" niedergelegt zu einer Zeit, da die schwindenden Kräfte ein verantwortliches Handeln immer schwerer machten.

Das ist kein Scheitern gewesen. Es war vielmehr ein Verzicht in Demut vor der so hohen Berufung. Und er hat das Verständnis von Amt und Kirche damit mehr verändert, als es manche Enzykliken seiner Vorgänger vermochten. Benedikt hat dem Papstamt ein Gesicht gegeben, er hat das Wirken menschlich gemacht und von der vielfach falsch verstandenen Unfehlbarkeit befreit. Was für ein Anspruch, den Benedikt auf das Maß eines Sterblichen zurückstutzte. Der Papst wird gewählt, nicht geweiht. Sein Amt ist eine Aufgabe, die vom Konklave übertragen wird und die Benedikt ans Konklave wieder zurückgab. "Stilbildend" hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf diese Haltung genannt.

Als Benedikt gewählt wurde, war er 78. Und seine Wahl war nicht überraschend. Zum einen schien es keine überzeugende Alternative zu geben, zum anderen hatte der damals dienstälteste Kurienkardinal bei der Totenfeier für Johannes Paul II. ungewollt alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und mit seiner Predigt über die "Diktatur des Relativismus" die Welt aufhorchen lassen. An Ratzinger führte also kein Weg vorbei, vorerst. Denn nach den vielen und zuletzt lähmenden Amtsjahren seines Vorgängers schien sich der Vatikan mit einem "Übergangspapst" Zeit zum Atemholen verschaffen zu wollen, aber es kam anders...

Benedikt war der erste gewählte Papst des dritten Jahrtausends, welcher den Glaubenskern einer 2000 Jahren alten Institution zu bewahren und zugleich in der Moderne zu verankern hatte. Wie gut also, dass dieser Übergang einem großer Denker anvertraut wurde. Er hat bewahrt, was aufzugeben existenzbedrohend werden könnte. Seine Theologie ist das Fundament, auf dem sich Papst Franziskus berufen kann, wenn er einmal mehr zu spontan und unkonventionell handelt.

Tatsächlich ist Benedikt ein Papst des Übergangs, aber nicht im kirchenhistorischen Sinne einer akzeptablen Verlegenheitslösung, sondern des Übergangs zweier Zeitalter. Dazu gehört vor allem sein noch immer wegweisender Beitrag zur Aussöhnung von Glaube und Vernunft, die der Kirche mit den Mitteln der Aufklärung das Mysterium zu bewahren suchte, ohne sich dem Vorwurf des nur noch Mysteriösen aussetzen zu müssen. Dazu gehört auch seine Warnung vor einer zunehmenden Verweltlichung von Kirche. Als Benedikt darüber während seines Deutschlandbesuches 2012 sprach, wurde dies allzu schnell und allzu leicht als ein Angriff auf den Laienkatholizismus hierzulande mit seiner feingliedrigen Organisationsstruktur gedeutet und kritisiert.

Ihm aber trieb die Sorge um, dass Kirche sich selbstgenügsam in dieser Welt einzurichten beginnt; dass es an der Klarheit des Zeugnisses fehlt. Benedikt misstraut einer Wohlfühlkirche. Für ihn muss die Kirche eine Provokation, ein Skandal bleiben und der Glaube ungeheuerlich sein - und notfalls in der Diaspora. Auch das stand einem Geistlichen vor Augen, der seit seiner Zeit als junger Konzilstheologe die Modernisierungsversuche verfolgt, begleitet, mitgestaltet hat.

All das hat viel Kraft gebraucht, viel Zeit verschlungen. Zumal er auf seine Leidenschaft des Bücherschreibens, die sich ein Papst eigentlich nicht leisten kann, nicht verzichten wollte. Seine Drei umfänglichen Bücher über das Leben und Wirken Jesu gehören zu jenen Schriften, die neben etlichen anderen nachhaltig wirken werden. Die Bücher sind auch eine Einladung, das Evangelium zu lesen, zu entdecken und nicht in menschlicher Hybris und hochmütig für die eigenen Belange auszulegen.

So fehlte ihm die Zeit – und wohl auch das Interesse – sich der Kirchenpolitik und dem Vatikan, vor allem der Kurie, eingehender und sorgsamer anzunehmen. Diese hatte schon unter dem Vorgänger ein machtorientiertes und denunziationsfreudiges Eigenleben zugelegt, das Benedikt nicht aufzubrechen vermochte und an dem sich aktuell auch Franziskus die Zähne auszubeißen scheint. Ohnehin ist Benedikt ein vorsichtiger Mensch mit einer guten, vielleicht zu guten Portion Scheu vor neuen Begegnungen. Man ahnt, welcher Angang es für ihn gewesen sein muss, kurz nach der Wahl nach Köln zu kommen, zum Weltjugendtag: als neuer Papst, den der Nachwuchs der Weltkirche jubelnd und hoffend empfing.

Seine Vorliebe fürs Denken (nicht fürs Verwalten) und seine skeptische Grundhaltung sind eine nicht ganz glückliche Kombination, die immer wieder zu heiklen diplomatischen Krisen und Missverständnissen führte: Seine Regensburger Rede 2006 über die Gewalt im Islam sorgte wochenlang für erregte Debatten, ebenso die Zulassung der Karfreitagsfürbitte, in der für die Erleuchtung der Juden gebetet wird.
Sein Zugehen auf den Holocaust-Leugner Richard Williamson von den Pius-Brüdern irritierte ebenso sehr wie die Zulassung der Messe in lateinischer Sprache, die ihn zum Erzkonservativen stempelte. Vor allem der Anteil Medien und ihr in Teilen perverser Hang zur dreisten Deutungshoheit haben einen perfiden Anteil an den düsteren Tagen dieser Zeit, im Jahre 2010, im Vatikan – als die miesen Gazettenschreiber von "Leitmedien" – in muffigen Hinterzimmern, getrieben vom fauligen Geldgiergestank ihrer asozialer Umgebung, mit ihren feisten Händen übelriechende Schmähartikel in ihre Computertasten hämmerten und dem Pontifex weh taten, auch da blieb Benedikt standhaft, aber ihr Anteil an dieser Schmach ist vergessen, weshalb man oftmals nicht umsonst sagen möchte "Lügenpresse halt die Fresse!" Oder um es hier abschließend auf den Punkt zu bringen, es ist die umstrittene Formel von der medialen Diktatur des Relativismus, welche anzeigt, das die Wahrheitsmüdigkeit der westlichen Gesellschaften von einem latenten Dogma geleitet ist, einem anti-dogmatischen Dogma also – welche da bedeutet, "es gibt die Wahrheit, das es keine Wahrheit zu geben hat", nach eben diesem Rezept "funktionieren" tagtäglich gedruckte Zeitungen, welche nicht zuletzt – getrieben durch pure Profitgier ihrer Inhaber und Herausgeber – Nachrichten (einer oftmals verlogenen Deutungshoheit) von Gestern sind.

Vieles hat am Ende aber auch seines Gutes, auch die Schmähungen der Medien - und so fügt sich am Ende im Reigen dieser teilkritischen Betrachtung, auch der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ein - welcher letztendlich jedoch nicht zu einem spürbaren Neuanfang wird. Selbst als vertrauliche Akten an die Öffentlichkeit gelangten, getrieben durch ekelhafte Geldgier so genannten "Journalisten" übergeben wurden, war es zwar für das Pontifikat von Benedikt XVI ein Dilemma, aber es machte ihn auch stark. Wenig Rückhalt fand Benedikt in dieser Zeit leider in seinen eigenen Reihen. Dies dürfte seinem Entschluss zurückzutreten weitere Nahrung gegeben haben, wohl wissend, dass der schlimmste Feind des Menschen die Sünde und das Streben innerhalb der seiner geliebten Kurie – nach der Macht ist. Aber der Abschied von eben dieser Macht ist einem Pontifex Benedikt XVI - nie schwer gefallen, auch dank freundschaftliche Loyalität des hochverehrten Kurienerzbischof und seines Sekretärs, Georg Genswein.

Und Benedikt heute, im April des Jahres 2017? Er hält sich zurück, ganz wie es seine unaufdringlich loyale Art ist und wie es in der Zeit der doppelten Päpste vielleicht auch geboten scheint. Benedikt liest viel, eben "RatzeBuch" – wie es heißt, schreibt und betet – eigentlich so, wie er sich seinen Ruhestand immer gewünscht hat. Ein Theologe auf dem Stuhle Petri, das hört sich nach viel Theorie und wenig Volksnähe an, wie sie Papst Franziskus verkörpert. Doch hat Benedikt mit seinen ungezählten Schriften der Kirche einen Boden bereitet, der ihr auf ihrem schwierigen Weg ins dritte Jahrtausend hilfreich sein wird.

Und so könnte das achtjährige Pontifikat Benedikts in seiner Wirkung zu einem der längsten und nachhaltigsten der Kirchengeschichte werden – wir sagen in Demut: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH LIEBER JOSEF RATZINGER   (P.Hansen--BTZ, mit BR Teilauszügen)