Berliner Tageszeitung - Bürokratie

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Bürokratie




Bürokratie

T und R (Namen unkenntlich gemacht) wollen heiraten. Alles ist längst vorbereitet, die Lokalität ist fast schon gebucht, die Einladungen sind in Vorbereitung. Doch nun droht Ungemach – durch den bundesdeutschen Staat. Um heiraten zu können, muss die künftige Ehefrau ein sogenanntes Ehefähigkeitszeugnis vorlegen. Es besagt, dass der Eheschließung keine ernsthaften Hinderungsgründe entgegenstehen. Im Kern geht es darum, zu bescheinigen, dass T nicht bereits verheiratet ist, jedoch muss vermutet werden - es soll ausgeschlossen werden, dass es sich um eine Scheinehe handelt.

Solche Ehefähigkeitszeugnisse wollen deutsche Standesämter und damit die Bürokratie immer dann vorgelegt bekommen, wenn mindestens einer der Partner (auch) eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Dass die Beschaffung eines solch "sinnvollen" Dokuments mit einem erheblich finanziellen Aufwand, Zeit, Beauftragung von Anwalt und Notar, Einbindung der Botschaft und einem teuren Übersetzungsdienst nach sich zieht, konnten R und T zum Zeitpunkt ihrer Heiratsidee noch nicht ahnen, werden jedoch im Verlauf von Monaten durch die Mühle der bundesdeutschen Gerichtsbürokratie getrieben.

Nach dem über 130 Euro teuren Antrag, müssen die Geburtsurkunde, Führungszeugnis, Geburtsurkunden der Eltern, samt registerlicher Urkunden der Kinder übersetzt, beglaubigt, mit Apostille versehen und weil es noch nicht genug des bürokratischen Irrsinns ist, auch noch beim zuständigen Oberlandesgericht eingereicht werden - Kosten gesamt knapp 1000 Euro, samt Anwalt, Notar, Übersetzungsdienst und Gebühren im Heimatland, sowie in der Bundesrepublik Deutschland! Bei all diesem Aufwand muss man eigentlich noch dankbar sein, dass nach 1945 der zwingend notwenige Ariernachweis abgeschafft wurde.

Information zur Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses nach § 1309 Abs. 2 BGB = http://www.olg.brandenburg.de/media_fast/4055/2016%20Mai%20Allgemeine%20Hinweise.pdf

Vor diesem Hintergrund erhält das "Ehefähigkeitszeugnis" unseren heutigen negativen - MURKS "Preis"