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Türkei: Erdogan bittet darum Devisen umzutauschen

Es klingt fast wie ein Witz und dennoch steckt in Teilen wirtschaftliche Logik dahinter, denn aktuell bittet der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sein eigenes Volk fast schon bettelnd darum, ihre "Devisen unterm Kopfkissen" in Türkische Lira oder Gold zu wechseln. Erdogan führt denn auch vielsagend aus: "Mein liebes Volk, ich liebe euch für Allah. Wer Devisen unterm Kopfkissen hat, soll sie in Lira, in Gold umtauschen. Warum sollten wir die Devisen gewinnen lassen?" Das dieser Schritt alles andere als von Erfolg gekrönt sein wird, bringt ein türkischer Bürger auf Nachfrage von BERLINER TAGESZEITUNG in Istanbul auf den Punkt, indem dieser sagt: "Hier wechselt niemand seine Dollars, nur weil der Herr Staatspräsident das so will“ und bekundet: "Bevor die Leute hier auf Erdogan hören, kaufen sie eher aus Trotz Dollar."

Die Bettelorgie des türkischen Präsidenten hat einen Grund, insgesamt 17,3 Prozent hat die türkische Lira seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar und 16,5 Prozent gegenüber dem Euro verloren. Bereits zur Mitte des Septembers 2016 begann der Kurs zu sinken, seit Anfang November geht es hingegen katastrophal steil bergab. Der Dollar hat zur türkische Lira die psychologisch wichtige Grenze von 3,50 Lira überschritten, der Euro überschritt – auch das ein nachhaltiger Rekord – die Marke von satten 3,70 türkischen Lira. Um es sachlich auf den Punkt zu bringen, die türkische Finanzwirtschaft steht in Teilen vor dem Zusammenbruch, dass Vertrauen in die Führung von Erdogan ist international in keiner Weise vorhanden.
Das Erdogan versucht den Kursverfall der türkischen Lira mit dem Propagandaworten n zu erklären: "...den Putsch, den sie mit ihren blutrünstigen Monstern nicht verwirklichen konnten, versuchen sie jetzt mit Zinsen, Devisen und an der Börse zu verwirklichen", macht die Lage Werder besser, noch stimmt diese Aussage. Die Redenschreiber des türkischen Präsidenten scheinen hierbei stets das gleiche Ziel zu verfolgen, dem eigenen Volk suggerieren, dass die Weltgemeinschaft Erdogan stürzen will, um somit den angeblichen Aufstieg der Türkei zur globalen Großmacht zu verhindern - so wie angeblich beim Putschversuch vom Sommer 2016, den Korruptionsermittlungen Ende 2013, oder eben den Gezi-Protesten im Frühjahr desgleichen Jahres. Das diese Propaganda nur in Teilen im Volk verfängt - ist auch in der Erdogan-Partei AKP und ihren kontrollierten Medien, längst kein Geheimnis mehr.
Auf Twitter kursiert derweil das Spottfoto von einem Lebensmittelhändler, welcher an seine Tür einen Zettel befestigt hat: "Jedem Abgeordneten, Minister oder Unternehmer, der Devisen wechselt, ein Brot umsonst." Für BERLINER TAGESZEITUNG ist denn an dieser Stelle auch sachlich nachvollziehbar, dass Präsident Erdogan selbst weiß, dass dieser erneute Aufruf nur Panik an den Börsen schürt. Hierzu sagt ein Bürger in Ankara denn auch treffen: "Ich denke, er macht das absichtlich, um im Vorfeld des geplanten Verfassungsreferendums die Krise zu schüren. Denn in Krisenzeiten klammern sich die Wähler meistens an die Regierenden." Das die Türkei ein wunderschönes Land mit einer großartigen Kultur ist, wird bei diesen politischen Sarkasmus-Spielen vergessen. Vielleicht sollte indes Staatspräsident Erdogan sich endlich wieder der Werte seines herrlichen Landes besinnen, der türkischen Demokratie eine Chance geben, um damit das aktuell verlorene Vertrauen der Weltgemeinschaft zurückzugewinnen, ob dies geschieht, ist indes fraglich...