Berliner Tageszeitung - Kükentöten in der Geflügelwirtschaft bleibt vorerst rechtmäßig

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Kükentöten in der Geflügelwirtschaft bleibt vorerst rechtmäßig




Kükentöten in der Geflügelwirtschaft bleibt vorerst rechtmäßig
Kükentöten in der Geflügelwirtschaft bleibt vorerst rechtmäßig / Foto: © AFP

Das massenhafte Kükentöten in der deutschen Geflügelwirtschaft sollte bald enden, aber das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht bleibt vorerst rechtmäßig. Bis zur Einführung alternativer Verfahren dürften Brutbetriebe weiter so vorgehen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht. Das Töten von männlichen Küken sei "tierschutzrechtlich nur noch übergangsweise zulässig", entschied das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag in Leipzig. Diese Praxis sollte demnach gestoppt werden, wenn eine Umstellung auf Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei in den Betrieben möglich ist. (Az. BVerwG 3 C 28.16)

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Wirtschaftliche Interessen seien für sich genommen kein "vernünftiger Grund" für das Töten der männlichen Küken, entschieden die Verwaltungsrichter. Laut Tierschutzgesetz dürfen Tieren ohne vernünftigen Grund keine "Schmerzen, Leiden oder Schäden" zugefügt werden.

Das Bundesverwaltungsgericht entschied, vor dem Hintergrund des im Jahr 2002 in das Grundgesetz aufgenommenen Staatsziels Tierschutz beruhe das Töten der männlichen Küken "für sich betrachtet nach heutigen Wertvorstellungen nicht mehr auf einem vernünftigen Grund". "Die Belange des Tierschutzes wiegen schwerer als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe, aus Zuchtlinien mit hoher Legeleistung nur weibliche Küken zu erhalten", erklärte das Gericht. Anders als Schlachttiere würden die männlichen Küken zum frühestmöglichen Zeitpunkt getötet. Ihre "Nutzlosigkeit" stehe von vornherein fest.

Das Bundesverwaltungsgericht sah aber keine Möglichkeit, das Kükentöten sofort zu untersagen. Die bisherige Praxis sei "ausgehend von einer damaligen Vorstellungen entsprechenden geringeren Gewichtung des Tierschutzes" jahrzehntelang hingenommen worden. Vor diesem Hintergrund könne von den Brutbetrieben eine sofortige Umstellung ihrer Betriebsweise nicht verlangt werden.

(W. Winogradow--BTZ)