Berliner Tageszeitung - Mehr als 70 Festnahmen im Senegal bei Protesten gegen Ausgangsbeschränkungen

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Mehr als 70 Festnahmen im Senegal bei Protesten gegen Ausgangsbeschränkungen




Mehr als 70 Festnahmen im Senegal bei Protesten gegen Ausgangsbeschränkungen
Mehr als 70 Festnahmen im Senegal bei Protesten gegen Ausgangsbeschränkungen / Foto: © AFP

Bei Protesten im Senegal gegen die wegen der Corona-Pandemie verhängten Ausgangsbeschränkungen sind mehr als 70 Menschen festgenommen worden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Behördenkreisen. Bei den Protesten in mehreren Städten des westafrikanischen Landes war es zu Ausschreitungen gekommen. In Touba, der zweitgrößten Stadt des Landes, wurden nach Behördenangaben drei Polizeiautos und ein Krankenwagen in Brand gesetzt.

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Auch ein Behandlungszentrum für Coronavirus-Patienten sowie ein Bürogebäude des Stromversorgers Senelec wurden den Angaben zufolge in Touba angegriffen. Augenzeugen berichteten auch von Attacken auf mehrere Postgebäude in der 200 Kilometer von der Hauptstadt Dakar entfernten Stadt.

In Touba hat die einflussreiche muslimische Bruderschaft der Muriden ihren Sitz. Deren oberster Anführer Serigne Mountakha Mbacké appellierte in einer Fernsehansprache an die Menschen, die Proteste zu beenden und in ihre Häuser zurückzukehren.

Auch in den Städten Mbacké, Tambacounda und Thies gab es Proteste. In Mbacké griffen Demonstranten den örtlichen Sitz des Radiosenders RFM an, der dem Sänger und ehemaligen Minister Youssou NDour gehört. Der Journalistenverband 3CM verurteilte die Attacke auf den Sender als "Vandalismus" und rief die Behörden dazu auf, "die Sicherheit der Medien während dieser Zeit der Unruhen" sicherzustellen.

Hintergrund der Proteste ist der von Präsident Macky Sall am 23. März ausgerufene Ausnahmezustand, der bis Ende Juni verlängert wurde. Auf Grundlage des Ausnahmezustands gilt eine landesweite nächtliche Ausgangssperre, zudem sind Reisebeschränkungen im Inland in Kraft.

Im Senegal wurden nach offiziellen Angaben bislang rund 4000 Coronavirus-Infektionen und 45 Todesfälle registriert. Zwar sind diese Zahlen im internationalen Vergleich relativ gering sind. Experten waren jedoch vor verheerenden Folgen bei einer starken Ausbreitung des Virus im Land, da der Senegal wie viele Länder der Region nur ein schwaches Gesundheitssystem hat.

Nach Angaben der Weltbank leben 40 Prozent der Senegalesen unter der Armutsgrenze. Viele haben keine Festanstellung und leben von Gelegenheitsjobs. Die Rufe nach einer Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen waren daher zuletzt immer lauter geworden.

(M. Taylor--BTZ)