Berliner Tageszeitung - Bundesanwaltschaft verdächtigt Russland nach möglichem Auftragsmord an Georgier

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Bundesanwaltschaft verdächtigt Russland nach möglichem Auftragsmord an Georgier




Bundesanwaltschaft verdächtigt Russland nach möglichem Auftragsmord an Georgier
Bundesanwaltschaft verdächtigt Russland nach möglichem Auftragsmord an Georgier / Foto: © AFP

Nach dem mutmaßlichen Auftragsmord an einen Georgier in Berlin ist Russland offiziell in den Fokus deutscher Ermittler gerückt. Die Bundesanwaltschaft zog den Fall am Mittwoch an sich und begründete dies mit Anhaltspunkten dafür, dass der Mann im Auftrag staatlicher Stellen Russlands oder Tschetscheniens getötet worden sei. Das Auswärtige Amt erklärte zwei russische Botschaftsmitarbeiter zu unerwünschten Personen, Russland kündigte daraufhin "Vergeltungsmaßnahmen" an.

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Mit Blick auf den mutmaßlichen politischen Hintergrund der Tat sei die Schwelle zum Anfangsverdacht überschritten, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die neuesten Ermittlungen hätten sich mit den bislang vorliegenden Indizien zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Vor diesem Hintergrund handle es sich um eine "staatsschutzspezifische Tat von besonderer Bedeutung".

Das 40-jährige Opfer war im August im Kleinen Tiergarten in Berlin von einem Fahrrad aus erschossen worden. Ein 49-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Das Opfer soll im sogenannten zweiten Tschetschenienkrieg gegen Russland gekämpft haben. Laut Bundesanwaltschaft wurde der 40-Jährige von russischen Behörden als Terrorist eingestuft und verfolgt.

Der Tatverdächtige wurde unter dem Namen Vadim S. festgenommen. Dabei handelte es sich nach den bisherigen Ermittlungen aber um einen Aliasnamen. Ein Abgleich der Fotos mit Bildern in Fahndungsdatenbanken habe ergeben, dass es sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" um Vadim K. handle, erklärte die Bundesanwaltschaft. Dieser wurde demnach von russischen Behörden wegen eines im Juni 2013 in Moskau verübten Mords gesucht. Die russische Fahndungsmitteilung sei im Juli 2015 gelöscht worden.

Der Reisepass des in Berlin Festgenommenen war auf den Aliasnamen Vadim S. ausgestellt. Die russischen Behörden hätten mitgeteilt, dass es sich um ein "echtes Ausweisdokument" handle, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Der Beschuldigte flog den Ermittlern zufolge am 17. August zunächst von Moskau nach Paris. Drei Tage später reiste er demnach nach Warschau. Sein dortiges Hotel habe er am 22. August verlassen und sei nicht zurückgekehrt. Am 23. August wurde der Mord in Berlin verübt.

Das Auswärtige Amt kritisierte das Verhalten der russischen Behörden im Zuge der Ermittlungen scharf. Mit dem Schritt, zwei Botschaftsmitarbeiter zu unerwünschten Personen zu erklären, reagiere die Bundesregierung darauf, dass die russischen Behörden "trotz wiederholter hochrangiger und nachdrücklicher Aufforderungen nicht hinreichend bei der Aufklärung des Mordes" mitgewirkt hätten, erklärte das Ministerium. Eine "ernsthafte und unverzügliche Mitwirkung" bleibe weiterhin geboten. Die Bundesregierung behalte sich im Lichte der Ermittlungen auch weitere Schritte vor.

Russland reagierte mit aller Schärfe auf die Entscheidung des Auswärtigen Amts. Dieser Schritt sei "unfreundlich und grundlos", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau. "Wir sind gezwungen, eine Reihe von Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen."

Über Verwicklungen Russlands in den Fall gab es bereits in der Vergangenheit wiederholt Spekulationen. Die russische Regierung wies dies aber zurück. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am Mittwoch noch vor der offiziellen Übernahme des Verfahrens durch die Bundesanwaltschaft, es handle sich um "Hypothesen ohne jede Grundlage". Einen "seriösen Verdacht" gebe es nicht. Das Thema werde "in gewisser Weise von den deutschen Medien aufgebauscht". Am Dienstag hatte zunächst "Spiegel Online" darüber berichtet, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich ziehen wolle.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff kritisierte die Ausweisung der beiden russischen Diplomaten als vorschnell und "schwer nachvollziehbar". Er forderte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP Aufklärung über die Hintergründe der Entscheidung.

(L. Brown--BTZ)