Berliner Tageszeitung - Zweite Zeugin wirft Maxwell vor US-Gericht Arrangieren von Sex mit Epstein vor

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Zweite Zeugin wirft Maxwell vor US-Gericht Arrangieren von Sex mit Epstein vor




Zweite Zeugin wirft Maxwell vor US-Gericht Arrangieren von Sex mit Epstein vor
Zweite Zeugin wirft Maxwell vor US-Gericht Arrangieren von Sex mit Epstein vor / Foto: © AFP

Im Prozess gegen Ghislaine Maxwell hat eine weitere Zeugin geschildert, wie die langjährige Vertraute des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein junge Mädchen für Sex mit ihm rekrutierte. Die Frau mit dem Pseudonym "Kate" sagte am Montag (Ortszeit) vor dem Gericht in New York, Maxwell habe ihre sexuellen Kontakte zu Epstein koordiniert und sie dafür zu Massageräumen gebracht. Dazu habe Maxwell sich ihr Vertrauen erschlichen, als sie noch minderjährig gewesen sei.

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Die heute 44-jährige Britin hatte Maxwell nach eigenen Angaben 1994 im Alter von 17 Jahren kennengelernt, als ihr damaliger Freund sie bei einem Paris-Besuch mit ihr bekannt machte. Maxwell habe ihr ihre Telefonnummer gegeben und sie ein paar Wochen später zum Tee in ihrem Haus in London eingeladen.

"Ich habe mich sehr besonders gefühlt", sagte "Kate" vor Gericht. "Ich hatte das Gefühl, eine Beziehung gefunden zu haben, die sehr bedeutsam für mich werden könnte. So als ob jemand mich wollte, jemand mein Freund sein wollte." Maxwell habe ihr dann "wunderbare Sachen über ihren Freund" Epstein erzählt und ihn als Wohltäter geschildert, der "gerne jungen Leuten half".

Ein paar Wochen später wurde "Kate" nach eigener Aussage zu Epstein in sein Haus in London eingeladen, wo sie gebeten worden sei, seine Füße und Schultern ein bisschen zu massieren. Wiederum ein paar Wochen später sei sie erneut eingeladen worden, um Epstein zu massieren. Maxwell habe sie in ein schwach beleuchtetes Zimmer mit Massageliege geführt. Epstein habe sich entkleidet und Maxwell habe den Raum verlassen.

Aus der Massage wurde laut "Kate" ein sexueller Akt. Maxwell habe sie anschließend gefragt: "Wie lief es? Hattet Ihr Spaß? War es gut?" Dabei habe Maxwell "sehr aufgeregt und froh" gewirkt.

Zum Tatzeitpunkt war in Großbritannien einvernehmlicher Sex mit 17 Jahren erlaubt. Da "Kate" damals minderjährig war, wurde sie vor Gericht nicht genauer zum Sex mit Epstein befragt. Ihre Aussage soll vielmehr deutlich machen, nach welchem Muster Maxwell junge Mädchen für Epstein rekrutierte.

"Kate" sagte weiter aus, Maxwell habe ihr einmal eine Schuluniform gegeben und sie aufgefordert, Epstein darin Tee zu servieren. Außerdem habe Maxwell sie gefragt, ob sie andere potenzielle Sexpartnerinnen für Epstein kenne. "Du weißt, was er mag - süß, jung, hübsch, wie du", zitierte "Kate" Maxwell.

"Kate" blieb nach eigener Aussage bis Anfang 30 mit Maxwell und Epstein in Kontakt und traf sie bei von Maxwell arrangierten Besuchen auf Epsteins Anwesen an verschiedenen Orten. "Ich wollte nicht zugeben, was mit mir geschah", sagte die Zeugin.

Außerdem habe sie Angst gehabt, weil Epstein und Maxwell so einflussreich waren. "Sie sagte mir, dass sie mit Prinz Andrew befreundet ist. Mit Donald Trump befreundet." Maxwells Verteidiger versuchten vor Gericht, ihre Glaubwürdigkeit mit Verweis auf ihre langjährige Abhängigkeit von Alkohol, Kokain und Schlaftabletten zu untergraben.

Der Prozess gegen Maxwell hatte Ende November begonnen. Die US-Justiz wirft ihr vor, über Jahre Minderjährige für Epstein rekrutiert zu haben, die dann von dem Finanzinvestor missbraucht wurden. Maxwell wird in sechs Anklagepunkten Sexhandel in den Jahren 1994 bis 2004 zur Last gelegt.

Maxwell war im Juli 2020 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sie weist alle Vorwürfe zurück. Bei einer Verurteilung droht der Tochter des britischen Medienmoguls Robert Maxwell jahrzehntelange Haft. Der bereits in der Vergangenheit wegen Sexualverbrechen verurteilte Epstein war im August 2019 nach einer erneuten Festnahme tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan aufgefunden worden. Nach Angaben der Behörden beging er Suizid.

(I. Johansson--BTZ)