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Stadionverbote oder Punktabzüge für Hertha und Eintracht?

SPORT 26.02.2017

Vor dem Fußball-Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt haben sich Dutzende Hooligans eine regelrechte Straßenschlacht geliefert. Die Polizei nahm am Wochenende in der Hauptstadt, insgesamt 96 mutmaßliche Beteiligte fest. Mit gezogener Waffe mussten sich Polizisten demnach davor schützen, selbst von den Krawallmachern angegriffen zu werden.

Zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es im von Migranten frequentierten Berliner Stadtteil Moabit und somit Stunden vor dem Spiel im Berliner Olympiastadion. Wie die Polizei mitteilte, gingen die Randalierer "zum Teil mit Schlagwerkzeugen" aufeinander los. "Flaschen, Bierkisten, Stühle und Feuerwerkskörper wurden von den Maskierten verwendet, um Anhänger des gegnerischen Lagers zu verletzen."
Als die ersten beiden Einsatzwagen am Ort des Geschehens an der Berliner Kreuzung Beusselstraße und Turmstraße eintrafen, sahen sich die Polizisten etwa 60 Randalierern gegenüber, "deren Aggressionen sich sofort gegen die Polizisten richteten". Nach Angaben der Polizei kam es daraufhin zu turbulenten Szenen: "Als der Mob auf die Beamten losstürmte, zogen diese ihre Dienstwaffen und verhinderten somit offenbar einen körperlichen Übergriff." Nachdem weitere Einsatzkräfte zur Verstärkung angerückt waren, nahmen die Polizisten "die Verfolgung der Chaoten auf". Währenddessen seien Polizeifahrzeuge mit Steinen und Flaschen attackiert worden, wodurch zwei Autos beschädigt wurden. Von den insgesamt 96 Festgenommenen stammen den Angaben zufolge 73 aus Hessen. Gegen alle Beteiligte wurden Platzverweise und Stadionverbote ausgesprochen. Sechs von ihnen kamen verletzt in Krankenhäuser, einer wurde stationär behandelt.
Die Hintergründe der Massenschlägerei sind der Polizei zufolge noch unklar. In Berliner Medien wurde sowohl über eine verabredete Schlägerei als auch über einen gezielten Angriff der Frankfurter spekuliert. Die Massenschlägerei spielte sich kilometerweit vom Olympiastadion entfernt ab, in der Nähe befindet sich jedoch ein Szenetreffpunkt von Hertha-Fans. "Ob nun die Berlin-Besucher gezielt einen Treffpunkt von Herthanern aufgesucht hatten, um diese zu malträtieren, oder ob es sich um eine gezielte Verabredung zu einer Schlägerei zwischen Hooligans handelte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen", teilte die Polizei mit. Herthas Manager Michael Preetz gab an, seines Wissens seien Hertha-Anhänger "überfallen" worden. "Dann gab es wüste Schlägereien, Szenen, die man auch nicht im Umfeld des Bundesligafußballs sehen will", sagte Preetz am Samstagabend im ZDF. "Das ist ein großer Wermutstropfen auf den Fußballsamstag, das muss man ganz klar sagen." Es sei jedoch für beide Vereine "wahnsinnig schwierig", solche Vorkommnisse "außerhalb des Stadiongeländes, weit weg irgendwo in der Stadt" zu verhindern.
Anfang Februar 2017 hatte es am Rande des Fußballbundesligaspiels zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig Krawalle gegeben. Bei massiven Ausschreitungen in unmittelbarer Stadionnähe wurden mindestens sechs Leipziger Anhänger sowie vier Polizisten verletzt. Nach Polizeiangaben griffen Dortmunder Fans Besucher aus Leipzig, Unbeteiligte und Polizeibeamte unter anderem mit Steinen, Flaschen und Leuchtraketen an. Im Stadion waren zudem Plakate mit Gewaltaufrufen zu sehen. Wegen der Schmäh-Plakate wurde Borussia Dortmund vom DFB-Sportgericht mit der Sperrung der Südtribüne für ein Spiel und 100.000 Euro Geldbuße bestraft. Sollte ein gerechtes Urteil gefällt werden, müssten sowohl Hertha BSC als auch Eintracht Frankfurt vom Deutschen Fußballbund (DFB) mittels drakonischer Strafen, ebenso wie zuvor Borussia Dortmund, abgestraft werden. Sinnvollerweise sollte - nach Meinung der Sportredaktion von BERLINER TAGESZEITUNG - anstatt Stadionverboten, mit Punktabzügen im zweistelligen Bereich ein derartiges Fanverhalten geahndet werden, nur so kann diesem unseligen Treiben entgegengewirkt werden.   (M.Dorokhin--BTZ)