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Kolumbien legt Friedensverhandlungen mit ELN-Guerilla auf Eis

POLITIK 10.01.2018

Nach dem Auslaufen eines Waffenstillstands sind die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillaorganisation ELN unterbrochen worden. Präsident Juan Manuel Santos warf den Rebellen aktuell neue Angriffe "auf die Zivilbevölkerung, die Streitkräfte und die Infrastruktur" des Landes vor. Er habe daher die Regierungsdelegation aus Quito abgezogen. In der ecuadorianischen Hauptstadt sollten die Gespräche zwischen der Regierung und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) eigentlich am Mittwoch fortgesetzt werden.

Um Mitternacht hatte in Kolumbien ein dreimonatiger Waffenstillstand geendet. Daraufhin habe die Guerilla ihre "terroristischen Attacken" wieder aufgenommen, sagte Santos. Einzelheiten zu den mutmaßlichen Angriffen nannte er nicht. Der staatliche Ölkonzern Ecopetrol sprach jedoch von einem "möglichen Anschlag" auf eine Ölquelle im östlichen Bezirk Casanare. Die Behörden meldeten außerdem einen Granatenangriff auf einen Militärposten an der Grenze zu Venezuela. Laut Medienberichten wurden dabei zwei Soldaten verletzt.

Sein Engagement für den Frieden sei ungebrochen, sagte Santos. Um dieses Ziel zu erreichen, seien aber "konkrete Taten und nicht nur Worte" nötig. Der kolumbianische Präsident will mit der ELN einen ähnlichen Pakt wie das historische Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen vom November 2016 schließen. Für seine Friedensbemühungen erhielt Santos damals den Friedensnobelpreis.

Die ELN mit ihren knapp 2000 Kämpfern ist die letzte aktive Guerillagruppe in Kolumbien. Der im Oktober in Kraft getretene Waffenstillstand war die erste Kampfpause, die die ELN seit dem Beginn ihres Aufstands 1964 akzeptierte. Beide Seiten warfen sich in den vergangenen Wochen allerdings Verstöße gegen die Vereinbarung vor.

Bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs wurden in Kolumbien seit 1964 mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.