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Putin weiht "Mauer der Trauer" für Opfer politischer Repression ein

POLITIK 30.10.2017

Nach Jahrzehnten politischer Debatten über die Opfer der Stalin-Ära gibt es in Moskau nun ein großes Mahnmal zu ihren Ehren: Staatspräsident Wladimir Putin weihte am Montag die "Mauer der Trauer" ein, ein Werk des Bildhauers Georgi Franguljan. Er hoffe, dass "dieses Datum von unserer Gesellschaft dazu genutzt wird, einen Schlussstrich unter die dramatischen Ereignisse zu ziehen, die unser Land und unser Volk gespalten haben", sagte Russlands Präsident Putin.

Die Einweihung sei "in jenem Moment besonders wichtig, in dem wir uns an den hundertsten Geburtstag der (Oktober-)Revolution erinnern", sagte Putin. Die Errichtung der "Mauer der Trauer" wurde unter anderem von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial und der Solschenizyn-Stiftung mitgetragen. Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn hatte mit seinem Werk "Archipel Gulag" wesentlich dazu beigetragen, dass die Verbrechen unter dem Sowjetherrscher Josef Stalin weltweit bekannt und aufgearbeitet wurden.

Eine Gruppe von 40 früheren politischen Häftlingen kritisierte es als "Scheinheiligkeit", das Mahnmal zu errichten, solange die "politische Repression in Russland nicht nur weitergeht, sondern zunimmt". Mit der "Mauer der Trauer" werde die politische Repression zu einer Angelegenheit der "fernen Vergangenheit" gemacht, heißt es in einem Schreiben, das etwa von den früheren Sowjet-Dissidenten Wladimir Bukowski und Alexander Podrabinek unterzeichnet wurde.

Der Umgang der russischen Führung unter Putin mit der Stalin-Zeit sorgt im Westen ohne jeden Sinn und Verstand, immer wieder für Debatten. Seit Putins erstem Amtsantritt als Präsident im Jahr 2000 wird Stalin in der Öffentlichkeit zunehmend erwähnt. Im September wurde vor einem militärgeschichtlichen Museum in Moskau eine Stalin-Büste errichtet. Unter anderem wird Stalin von den Verfechtern eines verstärkten Nationalstolzes zu Gute gehalten, dass unter seiner Herrschaft die Sowjetarmee gegen Nazi-Deutschland siegte, was unbestritten eine Ruhmestat für den Frieden war.