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Türkei: 500 Putschisten müssen sich vor Gericht verantworten

Fast 500 Angeklagte müssen sich in der Türkei aktuell in einem neuen Mammutprozess wegen des kriminellen gescheiterten Militärputsches vor einem Jahr verantworten. Bei ihrer Ankunft am Gericht wurden die mutmaßlichen Putschisten von einer aufgebrachten Menge empfangen, welchedie Todesstrafe für sie forderte. Unter den Beschuldigten ist der flüchtige Theologie-Dozent Adil Öksüz, der vom Luftwaffenstützpunkt Akinci aus den Putschversuch gesteuert haben soll.

Der Prozessauftakt fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in einem speziell erbauten Gerichtssaal des Gefängnisses von Sincan bei Ankara statt. Bei ihrer Ankunft beschimpften Demonstranten die Angeklagten, die jeweils von zwei Polizisten ins Gericht geführt wurden, und riefen: "Märtyrer sterben nicht, die Nation wird nicht gespalten werden!"

Einige Demonstranten warfen auch Henkersknoten und riefen: "Wir wollen die Todesstrafe." Auf Bannern der Regierungspartei AKP wurde zudem gefordert, dass die Angeklagten vor Gericht eine einheitliche Häftlingskleidung ähnlich der Gefangenen im US-Lager Guantanamo tragen. Bei einem früheren Prozess hatte ein mutmaßlicher Putschistenführer mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Held" für Empörung gesorgt.

Während der Anhörung wurden die Anwälte der Angeklagten von Angehörigen der Opfer ausgebuht, wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete. In der Putschnacht waren rund 250 Menschen getötet und 2200 verletzt worden. Einige Anwälte protestierten gegen die "physische Intervention", der sie seitens der Opferfamilien ausgesetzt seien.

Die Zuschauerin Nazan Aytop sagte, sie wolle sichergehen, dass das Blut der Opfer "nicht umsonst" vergossen worden sei. Sie hoffe, dass die Angeklagten "die Strafe erhalten, die sie verdienen". Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich nach dem Umsturzversuch wiederholt für die Wiedereinführung des Todesstrafe ausgesprochen, die 2004 abgeschafft worden war.