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BERLIN: Hü und Hott auf dem Pannenflughafen BER

POLITIK 06.03.2017

Es ist schon ein bedauernswertes Elend, welches in Teilen die Unfähigkeit von Wortschaft und Politik widerspiegelt – die Rede ist vom pannengeplagten Berliner Hauptstadtflughafen BER – denn dieser bekommt einen neuen Chef. Am Dienstag (07.03.2017) übernehme der bisherige Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup den Spitzenposten, teilten die Gesellschafter Brandenburg und Berlin am Montagabend (06.03.2017) mit. Der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Karsten Mühlenfeld, habe bereits einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verlässt den Aufsichtsrat, wobei Berliner Bürger am Montagabend (06.03.2017) in einer Umfrage von BERLINER TAGESZEITUNG -  dazu kolportieren: "die Ratten verlassen das sinkende Schiff". Der erst kürzlich geschasste Technikchef Jörg Marks kehrt zurück.

Müller sagte nach einer Sitzung des Aufsichtsrats, es habe zuletzt "sehr viele Abstimmungsrunden" sowie Telefonkonferenzen und interne Gespräche zur personellen Zukunft des BER gegeben. Die Trennung von Mühlenfeld erfolge "in einer sehr einvernehmlichen" und "konstruktiven" Art und Weise. Lütke Daldrup sei einstimmig zum neuen BER-Chef gewählt worden, erklärte Müller. Der bisherige Flughafenkoordinator des Landes Berlin sei wegen seiner "Fachkompetenz der beste Mann für eine schnelle Geschäftsführer-Besetzung". Er selbst ziehe sich aus dem Aufsichtsrat zurück, kündigte Müller an.
"Im Vordergrund steht der gemeinsame Wunsch, den Flughafen schnellstmöglich fertigzustellen", erklärte der SPD-Politiker. Daher sei auch entschieden worden, Technikchef Marks zurückzuholen. "Es darf am BER keinen Zeitverzug geben und kein technisches Know How verloren gehen." Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte, der neue BER-Chef Lütke Daldrup kenne "das Projekt, die handelnden Personen und die Fallstricke". Es gehe jetzt darum, "dass alle an einem Strick ziehen - und zwar in dieselbe Richtung". Zugleich lobte Woidke auch Mühlenfeld: Dieser habe den Flughafen "entscheidend vorangebracht". Mühlenfeld stand zuletzt in der Kritik, weil sich unter seiner Führung die Fertigstellung des BER weiter verzögerte. Für Unmut sorgte kürzlich zudem die Ablösung von Gesamtprojektleiter Marks, der Ende Februar seinen Hut nehmen musste.
Bei einer Krisensitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft am vergangenen Mittwoch sollte Mühlenfeld den Eigentümern die Personalie Marks erklären. Das Treffen wurde aber unterbrochen und auf Montag vertagt. Nach Angaben Müllers wurde Marks bei der Aufsichtsratssitzung nun "mit sofortiger Wirkung" wieder in sein Amt eingesetzt.
Der geplante Hauptstadtflughafen kämpft seit Jahren mit Problemen. Er sollte ursprünglich 2011 in Betrieb genommen werden. Das Projekt verzögerte sich aber immer wieder durch technische Mängel und Pfusch am Bau. Einen Eröffnungstermin gibt es derzeit nicht. Zudem haben sich die Kosten auf mehr als sechs Milliarden Euro vervielfacht. Gesellschafter des Projekts sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Müllers Stellvertreter im Aufsichtsrat, der Brandenburger Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider und der Verdi-Funktionär Holger Rößler, übernehmen nun vorerst die Leitung des Kontrollgremiums. Der Aufsichtsrat will sich bei seiner nächsten ordentlichen Sitzung am 17. März 2017 neu konstituieren.
Sollte der Flughafen jemals eröffnet werden, steht er auch in Jahrzehnten noch für die Worte: "Katastrophal erbärmliche Planung und Bauausführung – auf Kosten der deutschen Steuerzahler".  (L.Bresynsky--BTZ)