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116117 - Bei Anruf in Potsdam keine Hilfe?

POLITIK 13.12.2016

Auf der Webseite der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), heißt es vollmundig: "...handelt es sich um eine Erkrankung, mit der Sie normalerweise einen niedergelassenen Arzt in der Praxis aufsuchen würden, aber die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Er ist in einigen Regionen Deutschlands auch als ärztlicher Notdienst oder Notfalldienst bekannt. Es muss nicht immer die Notaufnahme sein - sehr oft hilft in Randzeiten auch der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117". Dass es sich hier scheinbar nur um einen markigen Werbespruch der KBV handelt, zeigte sich am vergangenen Wochenende in Potsdam.
Am Freitag (343. Tages des Jahres 2016), 09. Dezember auf Samstag (344. Tag des Jahres 2016) - den 10. Dezember um 04:20 Uhr, herhielt ein BARMER GEK Versicherter, auf die dringend telfonische Anfrage zu einem Hustenanfall, mit geäußertem Verdacht einer schweren Bronchitis, den lapidar "ärztlich" - geradezu erbärmlichen Rat, "...machen sie mal Dampfbäder" und auf die Nachfrage, ob der unter dieser Rufnummer angerufene Arzt, den kommen würde, die moralisch jämmerliche Antwort: "...das lohnt sich nicht!"

Erst kürzlich sprach Marion Lücke von Inforadio, mit dem Vorsitzenden der Gesundheits-Sachverständigen Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, über die Misere und Problematik von überfüllten Notaufnahmen durch Patienten, welche nicht die bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117 des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes (Arzt-Notdienst) wählen würden. Mehr als 20 Millionen Deutsche kämen pro Jahr in die Notfall-Aufnahmen der Krankenhäuser. In vielen Kliniken stiegen deshalb die Patientenzahlen innerhalb weniger Jahre um ein Drittel. Wenn man hierbei jedoch den vorgenannt geschilderten Fall des 10. Dezember 2016 in Potsdam betrachtet, ist die Forderung von Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, an die kassenärztlich versicherten Patienten, öfter mal den "Arzt-Notdienst" zu wählen, nur sehr begrenzt nachvollziehbar. Der vorstehend geschilderte Fall scheint denn auch dafür geeignet, die im Volk teilweise vorherrschende 'Mär' vom geldgierigen Arzt zu unterstützen, welcher schlichtweg zu faul ist, einen Kassen-Patienten in der Nacht zu besuchen, aber sich nicht zu fein ist, dass Geld für diese "Arbeit" mit seinen faulen Händen zu umklammern...
Von der Polemik dieser Worte abgesehen, lässt sich der Verdacht, nicht besser umschreiben. Der in diesem Fall, wie vorgenannt bei der BARMER GEK Versicherte, fühlte sich nicht nur als Patient dritter Klasse, bei welchem ein Hausbesuch offenbar nicht lohnt, sondern auch mit seinem Hustenanfall alleingelassen... Ob mit diesem ethisch katastrophalen Verhalten des "Mediziners" aus Potsdam, dem seit April 2012 bestehenden "Service", des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, unter der Rufnummer 116117 - "gedient" ist, bleibt auch für die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB),  mehr als zu bezweifeln!  (L.Staroverov--BTZ)