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Israel - Der lange Arm des Benjamin Netanjahu

POLITIK 08.11.2016

Es hört sich an wie ein schlechtes Märchen aus diktatorischen Zeiten und scheint dennoch in unserer Zeit stattgefunden zu haben. So hat aktuell eine bekannte Starjournalistin des israelischen Fernsehens - über ganze sechs lange Minuten eine Art Anklageschrift gegen sie, aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (67) verlesen.
In dem Text mit beruflichen und persönlichen Angriffen wird die Journalistin Ilana Dayan beschuldigt, zur "extremen Linken" zu gehören und über "kein Quäntchen professioneller Lauterkeit" zu verfügen. Außerdem warf der Reporterin das Netanjahu Büro vor, den Sturz der rechtsgerichteten Regierung anzustreben. Beides klingt wie das aktuelle Verhalten der Regierung Erdogan in der Türkei und findet doch in dem ach so demokratischen Staat Israel statt.

In einer Reportage hatte Dayan den Fernsehzuschauern einen sehr bitteren Blick hinter die Kulissen von Netanjahus Amtssitz gewährt. Ihr Team schickte zu diesem Zweck 32 Fragen an das Büro des Regierungschefs. Auf die Fragen erhielt sie wie nicht anders zu erwarten, keine Antwort, aber ein langes Schreiben mit den vorgenannten Anschuldigungen gegen sie. Ilana Dayan sagte, sie habe von ihrer Seite beschlossen, das Schreiben vollständig zu verlesen, weil es alles über die in der Reportage berichtete Funktionsweise von Netanjahus Büro zeigen würde. In der Reportage wurde berichtet, dass ein ehemaliger Vizechef des israelischen Geheimdienstes Mossad einen Leitungsposten nicht bekam, weil er seine Loyalität zu Israel, nicht aber zu Netanjahu persönlich erklären wollte.
Uzi Arad, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, berichtete in dem Beitrag, eine Reise Netanjahus nach Deutschland sei auf Betreiben von dessen Frau Sara Netanjahu gestrichen worden. Unterdessen berichte israelische Medien, wie die Zeitung "Jedioth Ahronoth", Dayan sei nun auf der "langen Liste der Medienmitarbeiter, die gewagt haben, ihre Arbeit zu machen" und deshalb in Netanjahus Augen zu "Feinden Israels" geworden seien. Das sich, sofern die Anschuldigungen stimmen, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in die Reihe von Diktatoren - wie unter anderem Adolf Hitler - einreihen würde, welche Israel - mit Blick auf seine eigene Geschichte so verteufelt ablehnt, scheint indes den Mächtigen in Israel nicht bewusst. Hier spielt offenbar die Selbstherrlichkeit so vieler Politiker mit Macht eine große Rolle zu spielen, welche vergessen das sie ihrem Volk und nicht sich selber dienen...  (U.Ericsson--BTZ)